ibid.: Drei Häuser, ein gemeinsamer Ursprung
Nürnberg feiert den 100. Geburtstag der Mäzene Defet mit 30 Malerei-Positionen
veröffentlicht am 10.08.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Monika Michalko: Sie erkannten einander, 2025 Öl auf Leinwand, 140 x 110cm, Foto © Courtesy Monika Michalko & Galerie Jo van de Loo; Foto: Jan Michalko
Manchmal braucht eine Ausstellung drei Häuser, um eine einzige Idee zu erzählen. Unter dem Titel „ibid. 30 Positionen aktueller Malerei“ bespielen die Kunsthalle Nürnberg, das Institut für moderne Kunst und der Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft vom 4. Juli bis 4. Oktober 2026 gemeinsam eine institutionenübergreifende Schau.
Der lateinische Titel – Abkürzung von „ibidem“, ebenda – verweist auf einen gemeinsamen Ort: das Atelier- und Galeriehaus Defet in Nürnberg, in dem alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler im Rahmen des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums Zeit verbracht haben. Über 15 Jahre wurden sie abwechselnd von den drei Institutionen nominiert; nun kehren sie gemeinsam zurück. Anlass ist ein doppeltes Jubiläum: 2026 wären Marianne und Hans Friedrich Defet, das Nürnberger Mäzenpaar, beide 1926 geboren, hundert Jahre alt geworden – zugleich wird das Stipendium zum 30. Mal vergeben.
Was als Hommage an ein Mäzenatentum beginnt, das nie allein auf Förderung zielte, sondern auf Freiräume für künstlerische Entwicklung, Austausch und Experiment, wird an den drei Orten unterschiedlich ausbuchstabiert. In der Kunsthalle Nürnberg haben viele der Kunstschaffenden eigens für die Ausstellung immersive Farbräume und ortsspezifische Installationen entwickelt – darunter Mona Ardeleanu, Cornelia Baltes, Vivian Greven, Aneta Kajzer, Michael Fanta und Robert Seidel. Im Institut für moderne Kunst im Atelier- und Galeriehaus Defet „übermalt“ Zora Kreuzer ausgewählte Werke mit einer dreidimensionalen Lichtinstallation, während im Kunstverein Nürnberg die malerischen Skulpturen von Veit Laurent Kurz zum Ausgangspunkt einer Gruppenausstellung werden, der unter anderem Maximiliane Baumgartner und Gerda Scheepers angehören (dort läuft die Ausstellung bis 6. September).
So entsteht ein Panorama, das von prozessorientierter und experimenteller Malerei über raumgreifende Malerei-Installationen bis zu performativen und gattungsübergreifenden Praktiken reicht – ein Resonanzraum für all das, was zeitgenössische Malerei heute sein kann, und zugleich ein Wiedersehen: Nürnberg lädt seine Stipendiatinnen und Stipendiaten noch einmal ein, um zu zeigen, wohin ihre Wege seither geführt haben. Am Institut für moderne Kunst, wo unter anderen Fabian Treiber, Sophia Süßmilch und Malte Zenses vertreten sind, öffnet die Schau an Wochenenden im Atelier- und Galeriehaus Defet – jenem Ort, an dem die gesamte Ausstellung ihren Ausgang nimmt.
Weitere Informationen zur Ausstellung findet man unter www.kunsthalle.nuernberg.de, kunstvereinnuernberg.de oder www.moderne-kunst.org.