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Wenn Design den Tisch neu deckt

Dr. Jana Göbel über die Sonderausstellung „Die neue Dramaturgie des Essens“ im Porzellanikon Hohenberg an der Eger

veröffentlicht am 20.09.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min.

Radiant Serving – Hafer Pod, Inge Geschwind & Tim Niedergall, Porzellan

Radiant Serving – Hafer Pod, Inge Geschwind & Tim Niedergall, Porzellan, Foto © Hochschule Niederrhein, Jerôme Dutka

Essen ist heute weit mehr als reine Nahrungsaufnahme – es verbindet Menschen, schafft Gemeinschaft und wird immer häufiger zum Erlebnis. Genau darum geht es in der Sonderausstellung „Die neue Dramaturgie des Essens – Gestaltung jenseits des Tellers“ im Porzellanikon Hohenberg an der Eger. Sie zeigt, wie Design unsere Ess- und Tischkultur verändert und welche kreativen Ideen schon heute Antworten auf die Fragen von morgen geben. Doch wie ist die Ausstellung entstanden, welche Geschichten stecken hinter den Projekten und warum lohnt sich ein Besuch? Darüber sprechen wir mit Hauptkuratorin Dr. Jana Göbel. Sie nimmt uns mit hinter die Kulissen der Ausstellung.

Wie entstand die Idee, das Thema Esskultur und Design in einer Ausstellung zusammenzubringen?

Unsere Lebensumstände ändern sich ständig. Das hat Auswirkungen darauf, was wir essen, wie wir essen, wo wir essen und wovon wir essen. Ein Esstisch ist seit jeher die Bühne für Gemeinschaft, Begegnung, Kommunikation, die Weitergabe von Werten. Ob zu Hause in der Familie und mit Freunden oder im öffentlichen Raum bei Veranstaltungen und Begegnungen mit Fremden: Das gemeinsame Essen ist oft die Basis für Kommunikation und kann Verbundenheit schaffen.

Die Projekte der Hochschule Niederrhein und das Projekt der Staatlichen Fachschule für Produktdesign Selb zeigen eindrücklich, wie gesellschaftliche Trends das Design von Porzellan, Tischwäsche, Küchenhelfern und auch die Speisen und das Speisen selbst beeinflussen und verändern.

Wie kam die Zusammenarbeit mit der Hochschule zustande?

Mit dem Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein verbindet das Porzellanikon eine langjährige Kooperation. Daher haben wir uns sehr über die Einladung von Prof.in Lisa Freyschmidt zur Präsentation des Projektes „Tabletop & Textile I“ auf der Ambiente 2025 gefreut. Wir waren begeistert von dem Projekt und sind, ausgehend davon, quasi direkt in die Konzeption der Ausstellung im Porzellanikon gestartet. Gemeinsam mit Lisa Freyschmidt und Kerstin Froch vom Lehrgebiet Keramik-, Porzellan- und Glasdesign der Hochschule Niederrhein wurde das Konzept entwickelt. Am Ende umfasste es fünf Projekte des Fachbereichs, die jetzt in der Ausstellung vorgestellt werden.

Bei der Werkschau 2025 der Staatlichen Fachschule für Produktdesign Selb – mit der uns ebenfalls eine intensive Partnerschaft verbindet – sind wir auf das Abschlussprojekt „Mustertanten“ aufmerksam geworden. Das haben wir dann gemeinsam mit Fachoberlehrerin Yvonne Wilhelm in die Ausstellung integriert.

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher in der Sonderausstellung?

Allen Projekten der Hochschule Niederrhein liegt ein neuer inter- und transdisziplinärer Gedanke zugrunde. Der koppelte von Anfang an Produktdesign für Porzellan und Textilien mit Kommunikationsdesign, dem Gastgewerbe und dem Marketing. Entstanden sind spannende, clevere Lösungen für moderne Lebenswelten – vom stilvollen Single-Geschirr bis zu hochflexiblen Lösungen für Picknicks.

Zwei Projekte – „Radiant Serving“ und „Faktorei21“ – wurden gemeinsam mit dem Gourmetkoch Christian Krüger aus Duisburg umgesetzt und direkt im Anschluss auf ihre Tauglichkeit bei Veranstaltungen getestet. Die Gäste konnten hautnah erleben, wie die Gestaltung des Porzellans, die Umgebung und die Gesellschaft anderer die Sinne schärfen und den Geschmack beeinflussen können.

Mit dem Projekt „Future Brotzeit“ wagt die Ausstellung außerdem einen Blick in die Zukunft und zeigt einige mögliche Antworten darauf, was aus der traditionellen deutschen Brotzeit werden könnte, wenn sich aufgrund des Klimawandels das Nahrungsangebot drastisch ändert. Das Projekt untersucht auf sehr kreative Weise, wie sich unsere herkömmlichen Essgewohnheiten anpassen könnten und müssten, und regt zum Nachdenken an.

Und die „Mustertanten“ zeigen sehr anschaulich, wie historische Vorbilder modern interpretiert werden können und Lebenswelten unserer Großeltern im Heute lebendig halten, und beziehen unsere Geschichte aktiv mit ein.

Was sind Ihre persönlichen Lieblingsobjekte oder -projekte?

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Für mich sind wirklich alle Projekte auf ihre eigene Art großartig. Ein Objekt oder ein Projekt herauszupicken, würde bedeuten, die anderen abzuwerten – und genau das will ich nicht. Jeder Entwurf zeigt so viel Herzblut, Kreativität und einen ganz eigenen, spannenden Ansatz für unsere Tisch- und Esskultur. Und durch diese Vielfalt wird die Ausstellung lebendig.

Die Ausstellung „Die neue Dramaturgie des Essens – Gestaltung jenseits des Tellers“ ist noch bis 10. Januar 2027 im Porzellanikon Hohenberg an der Eger zu sehen. Weitere Informationen unter www.porzellanikon.org.

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