Ausstellungen

Fantasie kennt keine Grenzen

Die Staatsbibliothek Bamberg folgt Hoffmanns Fantasie um die Welt

veröffentlicht am 28.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Halbleinenband mit farbiger Illustration von Fedor Flinzer (1832–1911) zu „Kater Murr

Halbleinenband mit farbiger Illustration von Fedor Flinzer (1832–1911) zu „Kater Murr's Tagebuch“, Leipzig, 1885 | Staatsbibliothek Bamberg, L.g.o.391-e(B 167, Foto © Gerald Raab

Ein Nussknacker, der gegen Mäuseheere kämpft, ein Kater, der seine Memoiren schreibt, und eine schöne junge Frau, die sich als Automat entpuppt: E. T. A. Hoffmann wusste wie kaum ein anderer, wie man die vertraute Welt aus den Angeln hebt. Zu seinem 250. Geburtstag widmet ihm die Staatsbibliothek Bamberg die Ausstellung „E. T. A. Hoffmann global. Grenzgänge der Fantasie“.

Fünf Jahre lebte Hoffmann in Bamberg. Es waren schwierige Jahre, die er selbst als „Marterjahre“ bezeichnete, zugleich aber eine entscheidende Phase seiner Entwicklung: Hier vollzog der Jurist, Zeichner, Musikkritiker und Komponist den Schritt zum Schriftsteller. Bis heute ist seine Präsenz in der Stadt spürbar.

Doch Hoffmann ist längst kein ausschließlich deutsches Phänomen. Seine Erzählungen wurden früh in Frankreich und Russland rezipiert und fanden ihren Weg um die Welt. Figuren wie der Nussknacker, Kater Murr oder die Automatenfrau Olympia gehören inzwischen zum kulturellen Gedächtnis. Generationen von Kunstschaffenden und Illustratoren ließen sich von jener eigentümlichen Welt inspirieren, in der die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie jederzeit durchlässig werden kann.

Die Staatsbibliothek schöpft für die Ausstellung aus einem bemerkenswerten Fundus. Neben der Staatsbibliothek zu Berlin besitzt sie die weltweit größte Sammlung zu E. T. A. Hoffmann. Seine dort verwahrten Autographen, Zeichnungen und Musikalien sind vollständig digitalisiert. In der Ausstellung reicht das Spektrum von Hoffmanns eigenen Illustrationen über Künstlergraphik und Kinderbücher bis zu Comics und Graphic Novels. Auch aufwendig gestaltete Einbände und winzige Miniaturbücher sind zu entdecken.

Gerade darin zeigt sich Hoffmanns erstaunliche Modernität. Seine Geschichten wandern zwischen Sprachen, Ländern und Kunstformen, werden illustriert, inszeniert, vertont und immer wieder neu interpretiert. Der Grenzgänger zwischen Literatur, Musik und bildender Kunst hinterließ ein Werk, das selbst ständig Grenzen überschreitet.

Das Begleitprogramm führt diesen Gedanken fort: Nora Gomringer eröffnet mit Gedichten über Automaten, Puppen und Fantasmen, Andreas Ulich liest aus den „Lebensansichten des Katers Murr“, hinzu kommen Künstlergespräch, Radierworkshop, Vortrag, Matinée und Führungen.

„E. T. A. Hoffmann global“ ist noch bis 5. Dezember in der Staatsbibliothek Bamberg zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter www.staatsbibliothek-bamberg.de.

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