Ausstellungen

Seungyeon Jo: Räume des Alltags

Zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Spiegelung

veröffentlicht am 10.07.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Seungyeon Jo, Rush  hour in confined Blue, 2024, Acryl auf Leinwand, 140 x 200 cm

Seungyeon Jo, Rush hour in confined Blue, 2024, Acryl auf Leinwand, 140 x 200 cm, Foto © Nicola Hansmann

Die in Nürnberg lebende Künstlerin Seungyeon Jo zeigt in der kunst galerie fürth neue Arbeiten, die sich aus ihrem persönlichen Lebensumfeld entwickeln. Ausgangspunkt ihres künstlerischen Schaffens sind alltägliche Räume wie Küchen, Badezimmer oder Schlafzimmer, die in ihren Bildern zu verdichteten Bildwelten werden. Diese privaten Szenen fungieren zugleich als Spiegel gesellschaftlicher Strukturen und verweisen auf Erfahrungen von Nähe, Enge und sozialer Verdichtung.

Jo, 1994 in Seoul geboren, studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Susanne Kühn und wurde 2024 mit dem Leonhard und Ida Wolf Gedächtnispreis der Stadt Fürth ausgezeichnet. In Malerei, Zeichnung und Animation verbindet sie eine reduzierte, oft von zarten Farben geprägte Bildsprache mit einer spielerischen, teils überzeichneten Motivik.

Charakteristisch ist der Umgang mit Raum und Perspektive: Schräge Winkel, verschobene Proportionen und flächig aufgetragene Acrylfarben erzeugen Bildkompositionen, in denen Figuren und Umgebung in ein spannungsreiches Verhältnis treten. Häufig erscheinen weibliche Figuren, die sich zwischen Beobachtung und Teilnahme bewegen. Identität wird dabei nicht explizit formuliert, sondern bleibt als Erfahrungshintergrund präsent. Die wiederholte Darstellung bestimmter Motive lässt Formen entstehen, während detailreiche Hintergründe weitere Ebenen eröffnen.

Die Arbeiten verbinden eine leichte, beinahe freundliche Anmutung mit Momenten des Unbehagens. Humor tritt als durchbrechendes Element auf und verschiebt die Wahrnehmung der dargestellten Situationen. Auf diese Weise entstehen Bildräume, in denen sich persönliche Geschichten, emotionale Zustände und alltägliche Beobachtungen überlagern und in eine vielschichtige visuelle Erzählung übergehen.

Die Ausstellung ist vom 4. Juli bis 30. August 2026 in der kunst galerie fürth zu sehen. Weitere Informationen unter www.kunstgalerie.fuerth.de.

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