Ausstellungen

Claudia Endres: Skulpturen in Blau

Das Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal zeigt Arbeiten der Bildhauerin im Dialog mit Garten und Architektur

veröffentlicht am 28.05.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Claudia Endres: Ola sin plastico II, 2020

Claudia Endres: Ola sin plastico II, 2020, Foto © Ralph Schirrmeister © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Mit der Ausstellung „AZZURRO“ präsentiert das Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal in Nürnberg noch bis 2. August 2026 eine Auswahl von 26 Skulpturen der Bildhauerin Claudia Endres. Die Werke sind im Freigelände des Museums installiert und treten dort in einen unmittelbaren Dialog mit dem Renaissancegarten sowie der historischen Architektur des Tucherschlosses. Im Zentrum stehen Arbeiten aus den vergangenen Jahren, die den charakteristischen Zugang der Künstlerin zum Werkstoff Stein verdeutlichen und die Entwicklung ihrer Formensprache nachvollziehbar machen.

Claudia Endres, 1956 in Altdorf bei Nürnberg geboren, arbeitet seit den 1990er Jahren an ihren sogenannten „Kernbohr-Skulpturen“. Ausgangspunkt ist ein massiver Steinblock, den sie mit einem Kernbohrgerät durchdringt und schrittweise aushöhlt. Auf diese Weise entstehen Hohlräume und Durchblicke, die das Innere des Materials sichtbar machen. Mitunter bleibt nur eine fragile äußere Hülle bestehen, die den ursprünglichen Block noch erahnen lässt. Die bei diesem Prozess entstehenden Steinstäbe werden teils wieder in die Skulpturen integriert oder als Reihungen auf deren Oberfläche angebracht. Ergänzend bearbeitet die Künstlerin die Oberflächen durch Polieren oder Gravuren, wodurch sich differenzierte Strukturen und Lichtwirkungen ausbilden.

Seit 2012 konzentriert sich Endres auf die Bearbeitung der Hartgesteine Bahía Azul und Azul Macaúba. Die in unterschiedlichen Blautönen schimmernden Steine prägen das Erscheinungsbild der Arbeiten und stehen im Kontrast zur umgebenden Gartenanlage. Ihre besondere Härte stellt zugleich hohe Anforderungen an die Bearbeitung und bestimmt den Arbeitsprozess maßgeblich. Die entstehenden Formen bleiben ungegenständlich und entwickeln ihre Wirkung aus Material, Farbe und Struktur sowie aus der Beziehung von Masse und Leere.

Die Ausstellung entsteht anlässlich des 70. Geburtstags der Künstlerin und bietet einen Überblick über ihr aktuelles Schaffen. Ergänzt wird die Präsentation durch biografische Informationen, die den künstlerischen Werdegang von der Ausbildung an der Kunstakademie Nürnberg bis zu internationalen Ausstellungen und Auszeichnungen nachzeichnen. Damit wird die Entwicklung einer künstlerischen Position sichtbar, die sich über Jahrzehnte hinweg konsequent mit dem Werkstoff Stein auseinandersetzt und diesen in immer neuen Variationen erforscht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. August im Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal zu sehen. Weitere Informationen findet man unter museen.nuernberg.de/tucherschloss.

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