Was wäre, wenn die Stadt träumt?
Die Museen der Stadt Nürnberg erkunden fast tausend Jahre utopisches Denken
veröffentlicht am 19.06.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Michael Mathias Prechtl: Das Utopische Prinzip, Titelillustration zu Thomas Morus: Die neue Insel Utopia, 1986, Foto © Stadtmuseum Amberg – Gefördert durch die Kulturstiftung der Länder
Utopien haben keinen guten Ruf. Sie gelten als weltfremd, naiv, gefährlich – oder gleich als alle drei. Und doch hat die Menschheit nie aufgehört, sie zu spinnen. Auch Nürnberg nicht. Über fast tausend Jahre Stadtgeschichte hinweg haben Nürnbergerinnen und Nürnberger die ideale Stadt erträumt, geplant, verworfen und bisweilen sogar in die Tat umgesetzt. Die Ausstellung „Und wenn alles besser wäre … Eine Geschichte der Nürnberger Utopien" nimmt diese lange, widersprüchliche Tradition nun erstmals in ihrer ganzen Breite in den Blick.
Das Gemeinschaftsprojekt der Museen der Stadt Nürnberg versammelt eine bemerkenswert vielseitige Auswahl an Exponaten: Architekturmodelle und Gemälde, technische Gerätschaften und Gesellschaftsspiele, Grafiken, Plakate und Skulpturen. Sie alle erzählen von einem Nürnberg, das sich immer wieder neu erfunden hat – als Ort paradiesischen Überflusses, als Pionier technischer Innovation, aber auch als Schauplatz rückwärtsgewandter nationalvölkischer Ideologien. Die Ausstellung scheut diese dunklen Kapitel nicht, sondern begreift sie als untrennbaren Teil der utopischen Geschichte der Stadt. Denn wer nur die schönen Utopien zeigt, verfälscht das Bild.
Dabei will die Schau ausdrücklich nicht belehren, sondern aktivieren. Das Narrenschiff der Nürnberger Utopien, auf das die Ausstellung ihre Besucherinnen und Besucher einlädt, ist kein Museumsschiff – es soll in Bewegung kommen. Vergangene Visionen sollen nicht nur betrachtet, sondern kritisch hinterfragt und kreativ weitergedacht werden. Auch die Natur, das Grenzenlose, das technisch Machbare spielen dabei eine Rolle – all jene Felder, auf denen Nürnberger Utopisten über Jahrhunderte vorgedrungen sind. Am Ende steht die Einladung, die eigene Utopie zu entwickeln: für eine Stadt, für eine Gesellschaft, für eine lebenswerte Zukunft.
Die Ausstellung ist vom 19. Juni bis 18. Oktober 2026 im Stadtmuseum im Fembo-Haus Nürnberg zu sehen. Weitere Informationen unter www.museen.nuernberg.de/fembohaus.