Der späte Dialog zweier Freunde
Der Kronacher Kunstverein widmet Klaus Leibing und Hans G. Schellenberger eine gemeinsame Ausstellung
veröffentlicht am 31.07.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Hans G. Schellenberger, „Waldboden“, 80 x 100 cm, Öl auf Leinwand, 2000, Foto © Hans G. Schellenberger
Manche Gespräche enden nie. Sie setzen sich fort – in Bildern, Gedanken und Erinnerungen. Die Sommerausstellung des Kronacher Kunstvereins führt zwei Künstler erneut zusammen, die einander freundschaftlich und künstlerisch verbunden waren: den Fotografen Klaus Leibing (1943–1999) und den Maler, Grafiker und Illustrator Hans G. Schellenberger (1946–2007). Unter dem Titel „Werden – Bleiben – Vergehen“ entsteht vom 26. Juli bis 13. September 2026 ein stiller Dialog über Zeit, Natur und Wahrnehmung.
Auf den ersten Blick scheinen Fotografie und Malerei unterschiedliche Wege zu gehen. Doch Leibing und Schellenberger verbindet eine gemeinsame Haltung: das genaue, geduldige Sehen. Leibings überwiegend in Schwarz-Weiß gehaltene Fotografien von Landschaften, Architektur und Menschen zeichnen sich durch eine grafische Klarheit aus, in der Licht und Komposition zu eigenständigen Bildmitteln werden. Seine Aufnahmen dokumentieren nicht nur, sie verdichten Wirklichkeit zu zeitlosen Bildräumen.
Auch Schellenberger richtet seinen Blick auf das Unscheinbare. Als Maler und Illustrator entdeckt er in Waldböden, Pflanzen oder natürlichen Strukturen jene verborgene Schönheit, die im Alltag leicht übersehen wird. Mit feinem Pinselstrich, großer Detailgenauigkeit und nahezu fotorealistischer Präzision erschafft er Bilder, die weit über die bloße Abbildung hinausgehen und eine eigene poetische Wirklichkeit entfalten.
Die Ausstellung versteht sich deshalb nicht als nostalgische Rückschau, sondern als Begegnung zweier künstlerischer Positionen, die sich bis heute ergänzen. Beide lehren einen achtsamen Blick auf die Natur und erinnern daran, dass Kunst dort beginnt, wo Aufmerksamkeit zur Haltung wird. So entsteht ein spätes Zwiegespräch über Vergänglichkeit, Schönheit und das, was bewahrt werden sollte – ein Dialog, der auch lange nach dem Tod der beiden Künstler weiterwirkt.
Weitere Informationen zur Ausstellung findet man unter www.kunstverein-kronach.de.