Ausstellungen

Malerei im Sog der Bilderflut

Zohar Fraiman verhandelt digitale Identität zwischen Schein und Sein

veröffentlicht am 02.08.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Cupidon, 190x140 cm, oil on canvas, 2025

Cupidon, 190x140 cm, oil on canvas, 2025, Foto © Zohar Fraiman

Wer heute jung ist, lebt in Bildern – kuratiert, gefiltert, permanent nachjustiert. Genau davon erzählt Zohar Fraiman, deren Ausstellung „Players in Paradise“, die vom 20. Juni bis 20. September 2026 in den Kunstsammlungen Jena zu sehen ist. Die 1987 in Jerusalem geborene, seit 2009 in Berlin lebende Künstlerin malt in Öl auf Leinwand und baut Installationen, die von der Allgegenwart digitaler Medien und der Unausweichlichkeit des Smartphones durchdrungen sind – jenes Geräts, das den Bildraum der Malerei zusätzlich fragmentiert und aufsplittert.

Auf den ersten Blick wirken ihre Bilder heiter, fast kuschelbunt: Prominente, Zeichentrickfiguren und Sequenzen aus bekannten Disney-Filmen überlagern sich mit kunsthistorischen Referenzen an Botticelli, Balthus oder Modigliani. Doch hinter dieser „instagrammability" verbirgt sich eine Unruhe. Die überwiegend weiblichen Protagonistinnen zerfließen in Zustandsbeschreibungen ohne Ruhepunkt – Perfektion erscheint hier nicht als Option, sondern als Pflicht, wenn man im permanenten Bilderstrom bestehen will.

Fraimans Werke sind damit mehr als eine ins Heute gewendete Genremalerei. Sie verhandeln das Abdriften in Filterblasen, die schleichende Erosion echter zwischenmenschlicher Nähe und die rastlose Suche nach Identität in einem Universum aus Konsum, Effekten und virtuellen Charakteren. Zwischen Katze und Pizza tummeln sich in ihren verschachtelten Bildräumen Dinge, die sich klarer Deutung entziehen und oft mehrdeutige Funktionen übernehmen.

Besonders deutlich wird dieses Spiel mit Täuschung und Sehnsucht im Gemälde „Genuinely Pretending": Schwäne erblicken darin nicht ihr eigenes Spiegelbild, sondern einen Flamingo – ein Bild für die Kluft zwischen Ideal und Realität. In der Ausstellung setzt sich diese surreale Verwirrung fort, wenn sich Schwäne, die Flamingos sein wollen, an Krocket-Schlägern winden, um auf dem „Krocketplatz der Königin“ zu bestehen, ganz im Geiste von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“.

Fraiman studierte an der Jerusalem Studio School und schloss ihr Studium 2015 als Meisterschülerin an der Universität der Künste Berlin ab. Ihre Arbeiten waren zuletzt unter anderem im Museum der bildenden Künste Leipzig, im Petach Tikva Museum of Art, in der National Gallery Bucharest und im Kunstpalais Erlangen zu sehen; Werke von ihr befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen in Belgien, Israel, den USA, Puerto Rico und Deutschland.

Weitere Informationen zur Ausstellung findet man unter www.kunstsammlung-jena.de.

Passende Termine zum Artikel

Schlagworte:

Ähnliche Artikel: