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Los Retros - „Odisea“ (Stones Throw)

„Odea“ erfindet die Idee von Vergangenheit neu

veröffentlicht am 02.07.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min.

Los Retros - „Odisea“ (Stones Throw)

Los Retros - „Odisea“ (Stones Throw), Foto © Stones Throw

„Odisea“ ist eines dieser Werke, bei denen man sich fragt, ob jemand heimlich ein Zeitportal im Schlafzimmerstudio installiert hat. Los Retros klingt hier nämlich nicht nach „Retro“, sondern nach einer sehr eigenen Erinnerung an eine Vergangenheit, die es so vielleicht nie gegeben hat – weichgezeichnet, leicht entrückt und trotzdem erstaunlich präzise gebaut. Schon nach wenigen Takten wird klar: Hier wird nicht einfach Nostalgie zitiert, hier wird sie neu erfunden. Die Songs schimmern zwischen 70s-Soul, soften Funk-Gitarren und einer Bossa-ähnlichen Schwerelosigkeit, die sich weigert, sich irgendwo festzulegen. Alles wirkt entspannt, fast lässig hingeworfen – aber genau darin steckt die Falle: Unter der Oberfläche passiert deutlich mehr, als die sonnige Klangfarbe zuerst vermuten lässt. Die Harmonien sind angenehm trickreich, ohne jemals anzugeben. Ein Akkordwechsel hier, ein unerwarteter melodischer Haken dort – genug, um das Ohr wachzuhalten, aber nie genug, um die Couchfreundlichkeit zu gefährden. Man könnte sagen: musikalische Intelligenz im Hawaiian-Shirt.

Besonders auffällig ist der Gesang, der zwischen verletzlicher Nähe und bewusstem Understatement pendelt. Nichts wird übertrieben, nichts künstlich aufgebläht. Und gerade deshalb trifft es. Produktionstechnisch bewegt sich das Album in einem angenehm analogen Dunstkreis. Es knistert nicht wirklich, aber es atmet. Gitarren klingen, als würden sie direkt aus einem leicht verschatteten Wohnzimmer kommen, in dem irgendwo im Hintergrund ein Ventilator langsam seine Kreise zieht. Die Rhythmik bleibt meist zurückgelehnt, fast schüchtern, und genau dadurch entsteht dieser hypnotische Sog. Was „Odisea“ besonders charmant macht, ist sein augenzwinkernder Ernst: Es nimmt seine eigene Sanftheit ernst, ohne je in Kitsch zu kippen. Und wenn doch einmal ein Hauch von Pathos auftaucht, wird er sofort wieder freundlich an die Hand genommen und auf die Terrasse gesetzt. Unterm Strich ist das hier kein Album, das laut um Aufmerksamkeit bittet. Es sitzt eher da, lächelt leise und wartet ab, bis man merkt, dass man schon längst hängen geblieben ist. Und genau dann hat es gewonnen.

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