„STIMMUNG“ beim Festival des KulturPalast Anwanden
Im Gespräch mit Martin Kälberer und Frieder Nagel
veröffentlicht am 03.06.2026 | Lesezeit: ca. 4 Min.
Sie sind musikalische Grenzgänger mit emotionaler Tiefe und kennen keine Gräben zwischen den Genres: Martin Kälberer aus Oberbayern und Frieder Nagel aus Franken loten seit vielen Jahren mit akustischen und elektronischen Formaten die Ausdrucksmöglichkeiten zwischen Electronix, Emo und New Classic neu aus. Beim Festival des KulturPalast Anwanden bildet das Duo am Sonntag, 14. Juni 2026, den Abschluss. Als Wegweiser in die Zukunft. „STIMMUNG“ ist der Abend überschrieben.
Andreas Radlmaier vom KulturPalast Anwanden hat dieses musikalische Zusammentreffen initiiert. Der Titel des Projekts lautet „Stimmung“. Worauf darf sich das Publikum an diesem Abend einstellen?
MARTIN KÄLBERER: Der Titel STIMMUNG möchte verdeutlichen, dass wir beide – jeder auf seine Art – eine Musik anstreben und machen, die sehr spezifisch auf die Gegebenheiten eines Ortes, die anwesenden Menschen und unserer eigenen „Stimmung“ reagiert.
FRIEDER NAGEL: Es geht darum die Stimmung, die dem Konzertmoment vorangeht einzufangen - also eigentlich das, was jeder spürt, wenn er einen Raum betritt zu verstärken.
Bei Ihrem Programm geht es um ein musikalisches Abenteuer, auf das Aufeinander-Einlassen: Gab es bei den Proben einen Moment, in dem Sie überrascht waren von einer Idee oder einem Klang des anderen?
MARTIN KÄLBERER: Seit wir angefangen haben, die Musik des jeweils anderen zu entdecken und zu erforschen, gab es diese Momente vielfach. Und zwar deshalb, weil wir offenbar beide das Gleiche beschreiben wollen, nur mit unterschiedlichen Mitteln.
FRIEDER NAGEL: Martin ist ein Multiinstrumentalist, der ausgehend vom melodisch komplexen Ineinandergreifen der Elemente Atmosphären herausarbeitet - und ich komme eher aus den elektronischen Sphären, wo sich aus der Repetition und dem Unterbewusstsein die Melodien entwickeln.
Worum geht es Ihnen auf der Bühne? Dass Sie sich gegenseitig musikalisch heraufordern oder sich intuitiv sofort verstehen?
MARTIN KÄLBERER: Es geht natürlich um beides. Wir beide sind es gewohnt, alleine aufzutreten, daher freuen wir uns sehr auf die Möglichkeit, sich gegenseitig zu inspirieren und quasi „die Bälle zuzuspielen“. Das geht aber natürlich nur, wenn ein gewisses intuitives Verständnis bzw. Vertrauen herrscht und man sich dadurch an Orte wagt, an denen man vorher noch nicht war.
FRIEDER NAGEL: Idealerweise natürlich zusammen mit dem Publikum.
In Ihren Klanglandschaften spielen Improvisation und Komposition offenbar gleichermaßen eine Rolle. Wie finden Sie die Balance zwischen Planung und dem Vertrauen auf den Moment?
FRIEDER NAGEL: Alles beruht auf den oben beschrieben Vertrauen und dem Willen und der Fähigkeit, spontan zu reagieren und die Dinge neu zusammen zu bauen. Die ergibt sich quasi von selbst. Unsere Stücke sind so konzipiert, dass sie stets einem vorgegebenen Pfad folgen, den man aber jederzeit, also je nachdem was aus dem Moment heraus passiert, verlassen kann.
Wenn das Publikum nach dem Konzert nur ein Gefühl oder einen Gedanken mit nach Hause nehmen könnte – welcher wäre Ihnen am wichtigsten?
MARTIN KÄLBERER: Ein Gefühl, wie wenn man eine gute Ausstellung besucht hat. Wenn man sich auf positive Art „irritiert“ und bereichert fühlt, die man spontan oft gar nicht in Worte fassen kann.
FRIEDER NAGEL: Beschwingt, entspannt, nachdenklich und sensibilisiert zugleich - im besten Fall ein Stückchen mehr bei sich selbst.
Weitere Informationen finden Sie unter www.kulturpalast-anwanden.de.