Kunst als gelebte Erinnerung
„Vertraute Gesten“ - Werke aus der Sammlung Jaegers in der Kunsthalle Jesuitenkirche
veröffentlicht am 06.08.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Albana Ejupi: In Between 1, 2025 Acrylic, Sand, Oil, Pastel, Paper & Textile on Canvas, 200 × 160 cm, Foto © Lukas Feichtner Galerie
Es gibt Kunstsammlungen, die nach kunsthistorischen Kriterien entstehen. Andere wachsen aus Begegnungen, Freundschaften und dem Vertrauen in die Kraft einzelner Werke. Zur zweiten Kategorie gehört die Sammlung des Unternehmers, Mäzens und Stifters Gunther Jaegers, die nun erstmals in größerem Umfang öffentlich zu sehen ist. Mit der Ausstellung „Vertraute Gesten“ zeigt die Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg vom 31. Juli bis 25. Oktober 2026 eine eindrucksvolle Auswahl dieser über Jahrzehnte gewachsenen Privatsammlung – und feiert zugleich ihr 50-jähriges Bestehen.
Die Ausstellung versteht sich nicht als Präsentation spektakulärer Einzelwerke, sondern als Einladung zu einem vielstimmigen Gespräch über Wahrnehmung, Erinnerung und Identität. Arbeiten der Klassischen Moderne begegnen bedeutenden Positionen der Gegenwartskunst und eröffnen überraschende Bezüge zwischen unterschiedlichen Generationen, Bildsprachen und künstlerischen Haltungen. Vertreten sind unter anderem Christian Schad, Alex Katz, Xenia Hausner, Jiří Georg Dokoupil, Herbert Brandl, Martha Jungwirth, Dana Zaltzmann, Albana Ejupi, Andrea Cusumano und Richard Kaplenig. Gerade diese Vielfalt macht den besonderen Reiz der Schau aus.
Dabei wird deutlich, dass Gunther Jaegers nie einem starren Sammlungskonzept folgte. Seine Werke fanden ihren Weg nicht aufgrund von Marktmechanismen oder Vollständigkeitsansprüchen in die Sammlung, sondern aus persönlicher Überzeugung. Kunst wird hier als Beziehung verstanden – zwischen Künstler und Sammler, Werk und Betrachter, Vergangenheit und Gegenwart. Die Ausstellung erzählt deshalb ebenso von einer außergewöhnlichen Sammlerpersönlichkeit wie von den Bildern selbst.
Mit der Gründung einer gemeinnützigen Stiftung hat Jaegers seiner Sammlung zudem eine Zukunft über die eigene Person hinaus gegeben. Aus privater Leidenschaft ist dauerhaftes kulturelles Engagement geworden. Dass die Werke nun ausgerechnet in Aschaffenburg, der Stadt seiner Herkunft, erstmals in diesem Umfang gezeigt werden, verleiht der Ausstellung eine zusätzliche biografische Dimension. Sie wird so zu einer Hommage an das Sammeln als kulturelle Verantwortung und an die verbindende Kraft der Kunst.
Begleitet wird „Vertraute Gesten“ von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Eröffnungsgespräch, Kuratorenführungen, Vorträgen, Konzerten, Künstlergesprächen sowie regelmäßigen öffentlichen Führungen. Dadurch versteht sich die Ausstellung nicht nur als Ort der Betrachtung, sondern auch als Raum des Austauschs – ganz im Sinne ihres Titels.
Weitere Informationen zur Ausstellung findet man unter www.museen-aschaffenburg.de.