Dr. Umwuchts Tanzpalast – „Nie wieder Fortschritt“ (Ceteris Partybus Rec)
Ein Album zwischen Untergang, rumpeligem Punk und Glitzer
veröffentlicht am 08.10.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von
Dr. Umwuchts Tanzpalast bleiben eine Ausnahmeband. Weil sie es können. Auch auf ihrer neuen EP „Nie wieder Fortschritt“ ist das unüberhörbare Sprachtalent der Bamberger wieder die eigentliche Superkraft: Wortwitz, Dada, politische Pointe und der lustvolle Umgang mit großen Begriffen. Nur hat sich etwas verschoben. Wo früher vor allem Trotz und Weisheit regierten, klingt nun häufiger die Opferrolle durch. Die Zumutungen der Gegenwart werden nicht nur besungen, sondern regelrecht ausgestellt. Fünf Songs reichen dafür: Glück durch Substanzen, Einsamkeit, Bahnverspätungen, Wohnungsnot, Zukunftsangst. Was nach gesellschaftlicher Analyse klingt, wird zur musikalischen Bestandsaufnahme einer Zeit, in der offenbar alle gespart werden. Die politischen Verhältnisse stehen dabei im Hintergrund – die politischen Schäden der Bundesregierung werden hier traumatisch verarbeitet. Dafür darf die linke Utopie weiterhin ihre Revolutionsphantasien ausleben. Nur trägt sie inzwischen Apokalypse-Vokabular: „Mein letztes Jahrtausend“ heißt ein Track, „Nie wieder Fortschritt“ die ganze EP.
Musikalisch hat sich der Schwerpunkt ebenfalls verschoben. Aus Melodien und Hooks wird mehr Schrattel und Glitzer, in die sozialkritischen Texte zieht Singalong-Klaviatur. Die Stücke rumpeln, schrammeln und schieben stärker in Richtung Punk, während Synthies, Saxofon und die gewohnt absurde Instrumentenvielfalt weiterhin für den unverwechselbaren Umwucht-Humpa-Sound sorgen. Was bleibt, ist die Disko. Und die ist jetzt etwas konsequenter – rotziger. Zu Zeitenwende-Zeiten ist das nicht wenig. Dr. Umwuchts Tanzpalast behalten ihr Augenzwinkern – und damit auch die Fähigkeit, vermeintliche Wahrheiten gleichzeitig auszusprechen und wieder infrage zu stellen. Wie immer. Und je. Körper sagt ja!