„Good Girl Exit“
Ein Abschied von der Rolle der immer verständnisvollen Frau
veröffentlicht am 29.10.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Nele Wicher
Silvi Carlsson dürfte vielen von Social Media, insbesondere der Video-Plattform YouTube, wo sie mehr als 500.000 Menschen erreicht, bereits ein Begriff sein. Nun legt sie mit „Good Girl Exit“ ihr erstes Buch vor. Und landet damit direkt einen Volltreffer. Carlsson schreibt, wie es der Untertitel bereits verrät, vom Ende der weiblichen Verfügbarkeit und setzt ihrer Leserschaft damit eine scharfsinnige Analyse gesellschaftlicher Erwartungshaltung vor. Warum eigentlich sollen Frauen immerzu und überall funktionieren? Was passiert, wenn Frauen sich der ständigen körperlichen und emotionalen Verfügbarkeit entziehen? Wo kann weibliche Wut ihren Raum finden?
Silvi Carlssons Sprachstil ist prägnant und klar und herrlich niedrigschwellig. Das Buch richtet sich damit nicht ausschließlich an die akademische Zielgruppe, sondern bietet allen die Möglichkeit, sich tiefer mit dem „Good Girl“-Komplex auseinanderzusetzen. In den einzelnen Kapiteln werden verschiedene Themen besprochen: Emotionale Verfügbarkeit, die Stressreaktion Fawn, weibliche Scham und der Male-Gaze sind dabei. Auch eine Auseinandersetzung mit Neurodiversität und intersektionalen Diskriminierungsformen findet seinen Platz. Psychologische Erkenntnisse werden mit eigenen Erfahrungen untermauert – die Autorin wird persönlich. So persönlich, wie es das Thema eben ist.
„Good Girl Exit“ könnte als gutes Einstiegswerk in die feministische Literatur beschrieben werden. Silvi Carlsson leistet damit nicht nur einen wichtigen Beitrag für Gleichberechtigung und das Auflösen patriarchaler Strukturen, sondern auch für weibliche Kämpfe im Allgemeinen. Zersprengt eure Ketten, Menschen. Silvi Carlsson zeigt, warum.
Silvi Carlsson: Good Girl Exit. Vom Ende weiblicher Verfügbarkeit, Piper Verlag GmbH, München, 3. Auflage 2026, 336 Seiten, Paperback, 18,00 Euro. ISBN: 978-3-492-06720-1.