Vergessene Kunst in Bamberg
Werke von Alexej Borutscheff in der Staatsbibliothek Bamberg
veröffentlicht am 08.05.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Alexej Borutscheff mit einer Radierung des Alten Rathauses in Bamberg. Fotografie, um 1988. Staatsbibliothek Bamberg, Msc.Add.1025(A 1., Foto © Alfons Steber
Die Staatsbibliothek Bamberg erinnert mit der Ausstellung „Vergessene Kunst in Bamberg“ an Alexej Borutscheff (1911–1994) – eine der eindrucksvollsten und farbigsten Erscheinungen der Bamberger Kunstszene der Nachkriegszeit. Die Bibliothek bewahrt seinen Nachlass und gibt nun erstmals umfassenden Einblick in sein vielschichtiges Schaffen.
Alexej Archipowitsch Borutscheff wurde im Westen des russischen Kaiserreichs geboren, geriet während des Zweiten Weltkriegs in deutsche Gefangenschaft und kam 1945 nach Bamberg, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. Sein Atelier, das ihm zugleich als Wohnung diente, lag zuletzt in unmittelbarer Nähe zu Dom und Staatsbibliothek. Der studierte Architekt wandte sich bald ganz der bildenden Kunst zu. Seine Zeichnungen, Holzschnitte und Radierungen sind expressiv und fantastisch zugleich; daneben schuf er Aquarelle, Ölgemälde und plastische Werke. Neben Ansichten von Bamberg und dem Umland stellte er Personen und Tiere dar. Seinen Stil könnte man dem Fantastischen Realismus zuordnen, wobei eine ausgeprägte Vorliebe für erotische Aspekte auffällt.
Bedeutend sind auch seine literarischen Illustrationen, etwa zu E. T. A. Hoffmann und Goethes Faust. Werke russischer Autoren wie Tolstoi und Solschenizyn schrieb Borutscheff von Hand ab und versah sie mit eigenen Zeichnungen. Dabei bewegten ihn die großen Themen menschlichen Lebens: Macht, Gewalt, Torheit, Liebe und Unangepasstheit. Die ausgestellten Werke eröffnen einen faszinierenden Blick auf einen Außenseiter der Kunstgeschichte, der in Bamberg seine zweite Heimat fand.
Die Ausstellung „Vergessene Kunst in Bamberg. Alexej Borutscheff (1911–1994)“ ist vom 27. April bis zum 18. Juli 2026 in der Staatsbibliothek Bamberg zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter www.staatsbibliothek-bamberg.de.