Titelthema

Aufbruch hinter dem Vorhang

Neue Köpfe, neue Ideen, neue Spielzeiten an den Theatern der Region

veröffentlicht am 29.07.2026 | Lesezeit: ca. 25 Min. | von Elke Walter

Ein Blick in die Zukunft der regionalen Theater

Ein Blick in die Zukunft der regionalen Theater, Foto © KI, erstellt mit Adobe Firefly

Veränderungen gehören zum Leben, da macht auch die Theaterlandschaft keine Ausnahme. Manche Wechsel laufen ganz geräuschlos, andere rütteln die Betroffenen kräftig durch, initiieren einen völligen Neustart oder auch die Herausforderung, wieder Ruhe in Ensemble und Belegschaft zu bringen. Auswirkungen auf das jeweilige Haus haben sie in jedem Fall, vor allem auch in Bezug auf die Wahrnehmung nach außen. Die Gründe für personelle Wechsel können sehr vielfältig sein, etwa private Veränderungen, Umzüge, Eintritt ins Rentenalter, die Entscheidung für andere Projekte oder aber auch das Auslaufen von befristeten Verträgen. Für die Betroffenen ist dabei wichtig, dass Veränderungen fair, transparent und arbeitsrechtlich korrekt laufen. Oft zieht der Wechsel an der Spitze einer Abteilung oder eines Hauses parallel auch personelle Konsequenzen nach sich. Kommt es etwa aufgrund neuer Leitungsteams zu Nichtverlängerungen bisheriger Verträge oder zu Neuzugängen in den Ensembles, kann das durchaus Auswirkungen auf die gesamte Struktur haben – positiv wie negativ. Veränderungen sind nicht zwangsläufig negativ zu sehen, oft bringen sie auch Ruhe in eine zuvor aufgewühlte Atmosphäre. Dabei ist dann allerdings viel Fingerspitzengefühl notwendig.

Veränderungen bei den einzelnen Gewerken, etwa in den Werkstätten eines Hauses, gelangen oft gar nicht an die Öffentlichkeit, beispielsweise wenn Mitglieder der Technik oder der Kostümabteilung ausscheiden oder neu dazukommen. Meist fällt der Blick direkt auf diejenigen, die ein Haus oder eine Sparte leiten oder auf der Bühne zu erleben sind.

Große Veränderungen gibt es etwa am Mainfranken Theater Würzburg. Dr. Daniel Morgenroth kommt als neuer Intendant an das Haus, folgt auf Georg Rootering, der als Interimsintendant, nach dem vorzeitig beendeten Arbeitsverhältnis seines Vorgängers Markus Trabusch, die vergangenen beiden Jahre mit großem Gespür und fachlicher Kompetenz gestaltet hat. Zudem steht mit den Neuzugängen Ingo Putz und Andreas Rosar auch ein Wechsel in der Schauspiel- sowie der Opernsparte an. Das Ensemble bleibt nahezu unverändert bestehen.

Ebenso markant ist beispielsweise für das Theater Regensburg die Ernennung zum Staatstheater, einer Anerkennung und Würdigung der bisherigen Arbeit, die weitere Projekte aber gleichzeitig auf sicherere Beine stellen könnte. Staatsintendant Sebastian Ritschel sieht darin Verpflichtung und Chance gleichermaßen.

Wir haben uns ein wenig umgesehen, was sich zur bevorstehenden Spielzeit in unserem Erscheinungsgebiet tut. Die ausgewählten Beispiele können nur stellvertretend für die gesamte Theaterlandschaft stehen. Lesen Sie mehr auf den folgenden Seiten.


„Auf zu neuen Ufern!“

Würzburg nach dem Führungswechsel

Das Mainfranken Theater (MFT) Würzburg macht sich „Auf zu neuen Ufern!“, so auch das Leitmotiv für die Spielzeit 2026/27, die mit einem Wechsel markanter Positionen einhergehen wird. Neu an das Haus kommen Dr. Daniel Morgenroth als neuer Intendant, Schauspieldirektor Ingo Putz sowie Operndirektor Andreas Rosar. Ballettdirektorin Dominique Dumais und Generalmusikdirektor Mark Rohde bleiben unverändert im Amt. Somit ist das Leitungsteam, das das MFT in die Zukunft führen soll, komplett.

Der künftige Intendant Dr. Daniel Morgenroth kennt Würzburg und Franken, aber auch das Mainfranken Theater recht gut. 1984 in Coburg geboren, ist es für ihn wie ein Weg zurück in seine Heimatregion. Von 2011 bis 2017 hatte Morgenroth zudem einen Lehrauftrag für Englische Literatur- und Kulturwissenschaften an der Universität der Main-Metropole. Morgenroth folgt auf Georg Rootering, der die beiden letzten Jahre als Interimsintendant die Geschicke des Hauses geleitet hatte. Der neue Intendant war seit 2021 Chef am Gerhard-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau. Davor war er von 2017 bis 2021 stellvertretender Intendant am Theater Konstanz. Erfahrung bringt Morgenroth also mit. Putz und Rosar kennt er bereits von früherer Zusammenarbeit, so lag es nahe, die beiden anzufragen, ob sie mit nach Würzburg kommen würden. Ingo Putz etwa war am Gerhard-Hauptmann-Theater seit der Spielzeit 2020/21 Schauspieldirektor.

Das Theater möchte Morgenroth gemeinsam mit seinen Kollegen und der Ballettchefin hinaus in die Stadt tragen, etwa mit einem „Stadtraumprojekt“ nach der „Odyssee!“ Homers, bei dem alle Sparten beteiligt sein sollen. „Die Besucherinnen und Besucher“, ließ er bei der Vorstellung des Spielzeitprogramms anklingen, „werden ihre Stadt mit neuen Augen sehen.“ Die Spartengrenzen möchte er aufbrechen und ein Miteinander ermöglichen.

„Die Besucherinnen und Besucher werden ihre Stadt mit neuen Augen sehen.“

Das MFT als Stadttheater habe die Aufgabe, Theater für die Menschen vor Ort sowie in der Region zu machen. Seine Vision sei es, die vielen schönen Orte in der Stadt für das Theater als Kulisse für ein Sommertheater zu nutzen. Das sei einfach mal eine Idee, die es allerdings vorab gut zu planen gelte, vor allem aber zu untersuchen, ob das überhaupt machbar sei. Das gelte in finanzieller Hinsicht, aber auch bezüglich notwendiger Genehmigungen für Theater im öffentlichen Raum.

Morgenroth sieht seine Intendanz unter einem Team-Ansatz, bei dem sich alle in einem „kreativen Pool“ einbringen sollen. Ideen im Team zu entwickeln, sagt er, sei immer besser. Und wer letztlich die Idee für eine erfolgreiche Produktion eingebracht hatte, sei nicht so wichtig. Eitelkeit, betont er, sei der größte Feind innerhalb der Branche. Wichtig ist dem neuen Intendanten aber auch, das gemeinsame Live-Erlebnis mit anderen im Theater zu ermöglichen, quasi sinnliches Theater als Gegenentwurf zum Digitalen zu bieten.

Was es an Stoffen vor Ort geben könnte, dem möchte er auch nachspüren. Dabei sei er auf Leonhard Frank (1882 bis 1961) gestoßen, den er nun auf die Bühne bringen möchte. Und jetzt kommt Ingo Putz ins Spiel, der den Roman des gebürtigen Würzburgers erstmals in eine Bühnenfassung bringen wird, die dann am MFT auch zur Uraufführung (10. Oktober) kommen soll. Seine Regiearbeit sieht Putz als offenen Prozess, bei dem er sich gerne auch von seinem Team inspirieren lässt. Kurz: gemeinsam entdecken und erforschen, wie es gehen könnte, gegebenenfalls einen Versuch auch wieder zu verwerfen. Ein Stück sei für ihn dann interessant, wenn es einen dramatischen Kern habe, der dem Protagonisten auch Raum zu Entscheidungen lasse. Leonhard Franks Roman „Von drei Millionen drei“, 1932 erschienen, sei da wunderbar geeignet und habe auch heute noch etwas zu erzählen. Stücke sollen, sagt er, nicht belehren, sondern zum Nachdenken anregen, Perspektivwechsel ermöglichen. Begeistern kann er sich aber generell für alle Bühnenformen, auch für Musiktheater.

Der Dritte im neuen Leitungsteam ist Andreas Rosar, der als Operndirektor auf Berthold Warnecke folgt. Der gebürtige Saarländer studierte Theologie, Philosophie und Germanistik, hatte aber schon, seit er mit 15 Jahren als junger Sänger bei der Inszenierung der „Meistersinger“ am Saarländischen Staatstheater im Extrachor mitsingen durfte, das Interesse an der Oper entdeckt. Über das Mitmachen, sagt er, habe er zur Bühne gefunden. Es folgten Assistenzen bei mehreren Regisseuren, bei denen er viel von der praktischen Seite her kennenlernen konnte. Welten sinnlich für andere erlebbar machen, auch im Hinblick auf die Musik, das habe er bereits im liturgischen Kontext als Verbindung gesehen. Bei einer Inszenierung sei besonders der Text, bei einer Oper auch der „Notentext“ wesentlich. Es stelle sich, etwa bei sehr alten Werken, die Frage, was ein Text den Menschen damals gesagt haben könnte und was derselbe Text den Menschen heute noch sagen kann. Der Umgang mit Sprache und Texten, sagt er, habe ihn schon früh interessiert. Theater möchte Rosar nicht für Spezialistinnen und Spezialisten machen, sondern so auf der Bühne präsentieren, dass alle im Publikum, Neulinge wie Kenner der Szene, etwas spüren und mitnehmen können. „Eigentlich die Quadratur des Kreises“, sagt er, „aber das muss unser Anspruch sein.“


Vom Stadttheater zum Staatstheater

Ein Meilenstein für das Theater Regensburg

Im Rahmen eines Festaktes am 8. Mai 2026 wurde das Theater Regensburg zum sechsten Staatstheater in Bayern erhoben – neben den vier Münchner Häusern Bayerische Staatsoper, Bayerisches Staatsschauspiel mit Residenztheater und Staatstheater am Gärtnerplatz und dem Staatstheater Nürnberg sowie dem Staatstheater Augsburg. Auf dem Weg zur Ernennung befindet sich das Mainfranken Theater Würzburg.

Für Sebastian Ritschel, der sich ab sofort Staatsintendant nennen darf, ist die Ernennung eine große Auszeichnung, eine Würdigung der erfolgreichen Arbeit, die aber auch auf dem Engagement früherer Belegschaften beruhe. Sie alle, sagt er, hätten die Basis gelegt, auf der das Haus jetzt aufbauen könne. Gleichzeitig, ergänzt er, bringe das auch eine Verpflichtung mit sich, die er gerne an- und ernst nimmt. Seine Qualitätsansprüche, wie gutes Theater auszusehen habe, ändern sich dadurch aber nicht, denn die seien schon immer hoch gewesen. Was sich ändert, sei aber die finanzielle Ausgangslage. Je zur Hälfte übernehmen zukünftig der Freistaat Bayern und die Stadt Regensburg die Förderung. Sich aber nur auf die Finanzen zu verlegen, so der Staatsintendant, sei nicht seine Absicht. Am wichtigsten seien ein gutes Händchen für besondere Produktionen, eine gute Idee für ein Stück und die Lust an der Suche nach Spannendem, bisher Ungesehenem oder Ungehörtem. Allerdings erleichtert die verbesserte finanzielle Basis schon einiges, etwa um Personalkosten abfedern zu können. Sinnvoll sei es auch, vorausschauend mit Blick auf künftige Produktionen zu denken und gegebenenfalls auch zu investieren. „Wir bekommen so die Möglichkeit“, sagt Ritschel, „unsere Inszenierungen besser ausstatten zu können, nötige zusätzliche Stellen besetzen und auch weiter wachsen zu können.“

Theaterschaffen in all seinen Varianten, so der Staatsintendant, aber auch die Kunstfreiheit selbst seien zu verteidigen. Diese ist ein wichtiges Gut und für die Auseinandersetzung mit relevanten Themen und als Denkraum unverzichtbar.

Neu ans Haus kommt mit Beginn der Spielzeit 2026/27 Barbara Bily. Sie wechselt vom Mainfranken Theater Würzburg, wo sie als Schauspieldirektorin engagiert war, in derselben Funktion an das frischgebackene Staatstheater. Die Schauspielproduktionen für die nächste Spielzeit, die unter dem Motto „Freiheiten“ steht, hat sie bereits geplant. Großes Interesse hat sie an Gegenwartsdramatik, deren Förderung auch zu den Aufgaben eines Theaters gehöre. Auch strebt die neue Schauspielchefin eine längerfristige Zusammenarbeit mit Autor:innen und Dramatiker:innen an, um literarisch am Puls der Zeit zu bleiben.


200 Jahre Theatergeschichte

Das Landestheater Coburg zwischen Tradition und Neubeginn

Das Besetzungskarussell dreht sich auch am Landestheater Coburg. Nach dem vorzeitigen Wechsel des bisherigen Intendanten Neil Barry Moss im März 2026 an das Theater Münster war eine Neubesetzung notwendig geworden. Am 1. Juni übernahm der Theatermacher Dr. Ulrich Peters die Interimsintendanz, voraussichtlich bis zur Spielzeit 2028/29, bis eine feste Nachfolge gefunden ist. Er tritt gemeinsam mit dem künftigen Ballettdirektor Hans Henning Paar sowie dem neuen Schauspieldirektor Frank Behnke an. Die neue Leitung ist zunächst für die beiden kommenden Spielzeiten, 2026/27 und 2027/28, vorgesehen.

Der neue Intendant ist ein erfahrener Regisseur und Theaterleiter, aber auch als bewährter Krisenmanager bekannt. Seit August 2012 war der inzwischen 70-jährige Generalintendant am Theater Münster. Nach vielen erfolgreichen Jahren dort wechselte er 2021 in gleicher Funktion an das Badische Staatstheater Karlsruhe. Auch hier sprang Peters kurzfristig als Unterstützer in einer schwierigen Lage ein. Geplant hatte er ursprünglich, seinen Schwerpunkt von der Theaterleitung mehr auf die Arbeit als freier Regisseur zu legen. Drei Spielzeiten später sollte der gebürtige Stuttgarter das auch realisieren können. Nun wiederholt sich die Situation. Die beiden Kollegen, die mit ihm die Interimszeit in Coburg begleiten werden, kennt Peters noch aus seiner Münster-Ära.

Die Herausforderung für das neue Leitungsteam ist groß, da das Landestheater Coburg zusätzlich zum normalen Spielbetrieb sein 200-jähriges Bestehen feiert. Peters, so erzählt er bei einem Gespräch, möchte in der Jubiläumsspielzeit historische Bezüge aufgreifen und mit aktuellen Perspektiven beleuchten, aber das Publikum dazu einladen, Theater neu zu entdecken. Er plane besondere Inszenierungen, unerwartete Spielorte, aber auch eine Festwoche im Juni 2027. Für Theater und Stadt solle das Jubiläumsjahr zu einem gemeinsamen Erlebnis werden. Theater als Ort wahrzunehmen, sich auch mit der eigenen Stadt identifizieren zu können, so seine Idee.

Als roter Faden führt die Romantik, die Epoche, die die Entstehung des Theaters und das kulturelle Leben der Zeit damals maßgeblich geprägt hatte, durch die Jubiläumsspielzeit. Als künstlerischer Leitgedanke, so die Pressemeldung des Theaters, führten Bezüge zur Romantik durch zahlreiche Produktionen, quer durch alle Sparten. Auch im Musiktheater werde man mit ausgewählten Werken einen Bogen zur musikalischen Welt des 19. Jahrhunderts schlagen. So kehre etwa Heinrich August Marschners „Der Vampyr“, eine der bedeutendsten romantischen Opern des deutschsprachigen Repertoires, zurück auf die Bühne. Aber auch Klassiker wie „La Traviata“ sowie die Uraufführung des Musiktheaters „Cagliari“ seien dabei.

Frank Behnke, der seit der Spielzeit 2020/21 als Schauspieldirektor am Staatstheater Meiningen engagiert ist, übernimmt die Programmplanung erst ab der Spielzeit 2027/28, steht dem Leitungsteam bereits zur Verfügung. Der aktuelle Spielplan, sagt er, sei bereits geplant gewesen, werde daher auch so übernommen werden. Der gebürtige Hannoveraner hat Theaterwissenschaften und Germanistik in Hamburg studiert und reichlich Erfahrung als Chefdramaturg, etwa in Osnabrück, Nürnberg sowie am Theater Münster, gesammelt. Gerne, betont er, bringe er in seiner Arbeit Gegenwartsdramatik, Klassiker und neue Theaterformen zusammen.

Den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart spannt die Schauspielabteilung, etwa mit Klassikern wie „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth oder auch Max Frisch‘ „Biedermann und die Brandstifter“. Zur Aufführung kommen unter anderem zeitgenössische Werke, wie etwa Samantha Ellis‘ „How to Date a Feminist“ sowie Svenja Viola Bungartens Karrieregroteske „Der Liebling“.

Der Dritte im Leitungsteam ist Hans Henning Paar, der die Sparte Tanz übernehmen wird. Als Choreograf und ehemaliger Solotänzer kann er eine erfolgreiche Bilanz vorlegen. Seit 2022 arbeitete Paar als freischaffender Choreograf und Systemischer Coach. Für das Landestheater Coburg hat er vier Produktionen geplant, wobei weniger das klassische Ballett im Zentrum stehen soll. Paar sagt dazu, dass er Elemente des klassischen Balletts einsetzen werde, wenn das in einer Produktion stimmig sei. Als Beispiel nennt er etwa in seiner Choreografie nach Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Der kleine Prinz“ die Rolle der Rose, zu der Spitzentanz am besten passen würde. Spannend dürfte die Choreografie „1827 – Eine Winterreise“ nach Franz Schuberts bekanntem Liedzyklus sein, die im Gründungsjahr des Theaters veröffentlicht wurde.

Erst vor wenigen Wochen wurde der Nachfolger für Generalmusikdirektor Daniel Carter bekannt gegeben. Der gebürtige Neapolitaner Tommaso Turchetta übernimmt das Amt zur neuen Spielzeit, auch über die zweijährige Interimsphase hinaus. Zuvor war Turchetta für drei Spielzeiten als Kapellmeister am Aalto-Theater Essen tätig, von dem er jetzt als GMD nach Coburg wechselt. Spannende Konzertformate und Operninszenierungen lässt der 39-jährige Italiener erwarten.


Theater hinter dem Eisernen Vorhang

Altenburg zwischen Interim und neuen Lösungen

Hervorzuheben sind aber nicht nur personelle Veränderungen an einem Theater, sondern auch, wenn aufgrund gelungener Arbeit ein:e Intendant:in verlängert wird. Kontinuität ist beim Theater Altenburg Gera angesagt: Der Vertrag des seit der Spielzeit 2011/12 als Intendant tätigen Kay Kuntze wurde als Generalintendant des Fünfspartenhauses (was sowohl die künstlerische als auch die geschäftsführende Leitung einschließt) bereits im Sommer 2025 bis 2033 verlängert. Zudem ist Kuntze mit beachtenswerten Projekten als Operndirektor am Haus tätig. Der Erfolg am Theater an den Standorten Altenburg und Gera gilt weitgehend als sein Verdienst.

In die Zeit seiner Intendanz waren unter anderem auch die Herausforderungen der Corona-Zeit sowie umfangreiche Baumaßnahmen an den beiden Standorten des Theaters, Altenburg und Gera, sowie die damit verbundenen Einschränkungen gefallen. In Altenburg musste das Theater mit einer Interimsspielstätte auskommen, dem Theaterzelt am Großen Teich, das seit 2019 für das Fünfspartenhaus zur Verfügung stand. Das Theaterzelt am Großen Teich wird im April 2027 planmäßig abgebaut. Neuer Nutzer ist das Theater Krefeld, dem eine Generalsanierung bevorsteht.

Zunächst soll ab April 2027 – vorbehaltlich der noch ausstehenden Genehmigung – wieder auf der Hinterbühne hinter dem eisernen Vorhang gespielt werden, so heißt es in einer Pressemitteilung des Theaters. Vorgesehen sind drei ansteigende Zuschauertribünen mit, laut Technischem Direktor René Prautsch, zwei Varianten: einer Bestuhlung für bis zu 150 Plätze bei Nutzung der Drehbühne sowie einer Variante mit bis zu 200 Plätzen ohne deren Einsatz. Der Zugang erfolgt über das Heizhaus, das während dieser Phase als zentraler Eingangsbereich mit Garderobe, Sanitäranlagen und gastronomischem Angebot genutzt wird. Ein barrierefreier Zugang über den Brühl ist vorgesehen.

Der geplante Spielbetrieb soll sich an den baulichen Bedingungen orientieren, etwa unter der Woche nur am Abend gespielt werden, damit die Sanierungsarbeiten tagsüber weiterlaufen können. Am Wochenende denkt die Theaterleitung über zusätzliche Spielzeiten am Vormittag oder Nachmittag nach. Alle fünf Sparten, das wären Musiktheater, Schauspiel, Ballett, Puppentheater sowie Konzerte, sollen während dieser Übergangszeit, so Generalintendant Kay Kuntze, weiterhin sichtbar und erlebbar bleiben.

Der Spielplan der kommenden Spielzeit bedient die jeweiligen Spielstätten in beiden Städten gleichermaßen. Neben den zahlreichen Vorstellungen der einzelnen Abteilungen bietet das Programm auch weiterhin Einführungen zu den Produktionen, Workshops, Theaterkurse oder auch Mitmachformate an.


„Wir können das nur gemeinsam hinbekommen“

Neue Interimsleitung am Theater Erfurt

Anfang 2024 war das Theater Erfurt massiv ins Schlingern gekommen. Der langjährige Generalintendant Guy Montavon war kurzfristig beurlaubt und später auch gekündigt worden. Es war von Machtmissbrauch und schlechtem Management die Rede. Schnell musste es damals weitergehen. Malte Wasem, zu jener Zeit künstlerischer Betriebsdirektor in Erfurt und bei Abwesenheit des Intendanten dessen Stellvertreter, übernahm, mit Verwaltungsspezialistin Christine Exel, als Interimsleitung. Beiden gelang es, in das Haus wieder mehr Ruhe zu bringen. Jetzt übernimmt Christian Illgen ab 1. August 2026 für zwei Jahre den Staffelstab von Wasem und Exel.

Der 47-Jährige freut sich auf die Herausforderung, die die Interimsleitung an ihn stellen wird. Der Jurist, Wirtschaftsfachmann und erfahrene Kulturmanager, der an seinem bisherigen Arbeitsplatz am Theater Cottbus bereits einige Erfahrungen im Bereich Krisenmanagement sammeln konnte, wurde für die neue Position vorgeschlagen. Helfen möchte er, gemeinsam mit der Belegschaft während der folgenden beiden Jahre, zum bisherigen Musiktheater-Schwerpunkt die Basis für eine neue Schauspielsparte zu legen, aber das Haus auch für einen Neustart fit zu machen und zum Strahlen zu bringen. Er sieht sich als Brückenbauer, als Teamleiter im Hintergrund, bis die neue Leitung – die Intendanz ist bereits ausgeschrieben – übernehmen kann.

Besonders wichtig ist dem neuen Leiter, die Atmosphäre in der Belegschaft weiter zu verbessern. „Alle in der Belegschaft“, betont er, „sind die Ersten, die das Theater nach außen spiegeln: in der Familie, im Freundeskreis und generell in der Stadt.“ Nur, wenn die Menschen gerne am Theater arbeiten, können sie dies positiv weitertragen. Dazu müsse man seinen Mitarbeiter:innen zuhören, darauf achten, wo eventuell Probleme bestünden, und miteinander Wege der Lösung finden. „Wir können das nur gemeinsam hinbekommen“, ergänzt er noch. Es gelte also, ein Format für das Theater zu entwickeln, das es in die Stadt hinein öffnet.

„Kreativität kann sich nur in einem stress- und druckfreien, vor allem aber auch vertrauensvollen Rahmen entwickeln.“

Sich selbst künstlerisch zu verwirklichen, sagt er, sei nicht sein Interesse. Vielmehr möchte Illgen gute Rahmenbedingungen für die Belegschaft schaffen, damit sich die Arbeit seiner Kolleginnen und Kollegen gut entwickeln kann. In so einer Situation, so Illgen, müssten alle im „Wir“ denken. Bei Erfolgen möchte er sich gerne mit allen anderen freuen, falls es Kritik oder Probleme von außen gebe, sich vor seine Leute stellen und, wie er sagt, „die Schimpfe entgegennehmen“. „Kreativität“, betont er, „kann sich nur in einem stress- und druckfreien, vor allem aber auch vertrauensvollen Rahmen entwickeln.“


Mit Transparenz in die Zukunft

Ein Neuanfang für das Eisenacher Schauspiel

Ab Herbst 2026, also zur bevorstehenden Spielzeit, bekommt das Landestheater Eisenach eine neue Schauspielchefin. Die Schweizer Schauspielerin und Regisseurin Anna Magdalena Fitzi folgt auf Lydia Bunk, die das Haus nach nur einer Saison vorzeitig verlassen hat. Während der letzten Jahre hatte es nach internen Unstimmigkeiten mehrfach Wechsel gegeben. Um zukünftig mehr Kontinuität zu erreichen, bekam das Ensemble nun die Möglichkeit, sich an der Auswahl der künftigen Leitung zu beteiligen. Jens Neundorff von Enzberg, der sich neben seiner Intendanz am Staatstheater Meiningen in selber Funktion auch für das Eisenacher Theater verantwortlich zeichnet, unterstützte das offene und transparente Verfahren.

Fitzi wurde 1966 in Berlin geboren, wo sie auch aufwuchs und 1984 ihr Abitur ablegte. Es folgten ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, eine Ausbildung im Marionettentheater sowie eine Ausbildung zur Sprecherin für Hörspiel und Funk. Von 1990 bis 1991 besuchte sie das Conservatoire Royal de Musique et d’Art Dramatique Liège in der Meisterklasse von Prof. Max Parfondry.

Danach war sie unter anderem an der Hamburgischen Staatsoper, der Oper Frankfurt, den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, bei den Internationalen Händel-Festspielen in Göttingen sowie auch am Landestheater Eisenach tätig. Dort inszenierte sie 2026 Frank Wedekinds „Frühlingserwachen“. Ensemble und Theaterleitung entschieden sich übereinstimmend für die Schweizerin, deren Vertrag erst einmal über drei Jahre laufen soll.

Leitgedanke der neuen Spielzeit ist die Frage „Was kostet die Wahrheit?“. Unterschiedliche Perspektiven sollen, so die neue Spartenleiterin Schauspiel, diese zentrale Frage beleuchten. Die ausgewählten Stücke „erzählen von Mut und Angst, von Verantwortung und Verdrängung“. Auf dem Spielplan stehen Werke wie etwa Henrik Ibsens „Der Volksfeind“, „Sein oder Nichtsein“ von Jürgen Hofmann oder auch Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“.

Fitzi möchte Theater als Begegnungsort etablieren, als einen Ort, der aus der Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Wie sie in ihrem Grußwort im neuen Spielzeitheft schreibt, sieht sie Theater als einen lebendigen Ort, als ein Haus für eine Gemeinschaft, als das Herz einer Stadt. Sie möchte die Menschen einladen: zum Gespräch, zur Auseinandersetzung sowie zum gegenseitigen Kennenlernen.


Neuanfänge und finanzieller Druck

Das Theater Ansbach im Aufbruch

Seit der kurzfristigen Schließung des Großen Hauses im Februar 2024 wegen Brandschutzmängeln kommt das Theater Ansbach nicht wirklich zur Ruhe, aber es geht weiter. Von 2020 bis 2025 leitete Axel Krauße als Intendant das Haus, wechselte dann in selber Position an das Scharoun Theater in Wolfsburg. In Ansbach übernahm Ensemblemitglied Robert Arnold als Schauspielleiter. Auch er geht nun nach Wolfsburg. Die Zeiten bleiben schwierig, der finanzielle Druck hoch. Ein genaues Konzept sowie eine zeitliche Einschätzung für die Sanierung fehlen noch.

Mit Bartholomäus Pakulski (Jahrgang 1984) gibt es nun einen Nachfolger, der ab dem 1. September 2026 offiziell seine neue Stelle als Schauspielleiter antreten wird. Pakulski war seit 2023 bis zu seinem Wechsel in die Rezatstadt als Musik- und Konzertdramaturg am Theater Erfurt, 2016 bereits als Regieassistent, tätig. Reichlich Erfahrung sammelte er auch an anderen Häusern, unter anderem etwa am Deutschen Nationaltheater Weimar sowie mit der Staatskapelle Weimar, am Theater Plauen-Zwickau oder auch dem Rheinischen Landestheater.

Sehr früh, erzählt er, sei die Musik da gewesen, das Theater habe er erst später für sich entdeckt. Jetzt bringt er beide Spuren zusammen. Der neue Schauspielleiter ist in Polen geboren, kam aber schon als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland. Aufgewachsen ist er in Wolfsburg, wo er 2003 auch sein Abitur abgelegt hatte. Es folgte ein Studium in den Fächern Musikwissenschaften und Romanische Philologie, das er 2010 als Magister Artium abschloss. Ergänzend folgte noch eine Weiterbildung im Bereich Kulturmanagement. Pakulski schreibt auch selbst, etwa das Libretto für das Theater Erfurt zur Krimi-Oper „Der Fall Frieda Baum“, nach einem historischen Kriminalfall. Mit der Musik von Daniel Roth wurde es in Erfurt uraufgeführt.

Auf seinen Start in Ansbach freut sich Pakulski sehr. Dankbar sei er vor allem auch über die Vertrauensvorleistung von Genossenschaft und Stadt. Den Neustart in der mittlerweile gefundenen Ersatzspielstätte in der Eyber Straße 89 sieht er durchaus als Herausforderung, aber diesen Weg, sagt er, möchte er gerne mit aller Energie begleiten. Erst einmal sind drei Spielzeiten in Ansbach geplant. Dabei sieht er sich eher als Teamleiter, wolle mit allen im Gespräch bleiben.

Einen Spielplan für 2026/27, sagt er, habe er schon erarbeitet, da sollte für alle etwas dabei sein. Acht Produktionen sind geplant, dazu die Wiederaufnahme eines schon vorliegenden Stückes. Die offizielle Veröffentlichung des Programms steht allerdings noch aus, geplant sei sie erst Anfang September.

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