Tanzend durch die nächste Spielzeit
Die Theater der Region zeigen Ballett und Tanz in seiner Vielfalt
veröffentlicht am 24.08.2026 | Lesezeit: ca. 10 Min. | von Elke Walter
Mit einem großen Internationalen Ballett-Festival feierte das Thüringer Staatsballett, das am Theater Altenburg Gera beheimatet ist, mit Blick auf die vorausgegangenen Kompanien sein 100-jähriges Bestehen. So hat die Ballettsparte in Gera einen sehr hohen Stellenwert, was sich auch im Programm widerspiegelt: Angeboten werden sowohl klassisches Ballett als auch zeitgenössischer Tanz. So stehen Choreografien von Ballettchef Vitaliy Petrov auf dem Programm, etwa zu Hans Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ (3. Dezember) oder auch zu Peter Tschaikowskis „Schwanensee“ (7. Mai 2027). Goethes Faust gehört zu den einflussreichsten Werken der europäischen Literatur. Mit „Faust – Nach dem Ende“ beginnt die Vorlage, in der Choreografie von Daniel Proietto zu tanzen. Premiere ist am 29. Januar 2027.
Das Landestheater Coburg, das gleichzeitig auch sein 200-jähriges Bestehen feiert, bekommt mit Beginn der kommenden Spielzeit mit Hans Henning Paar einen neuen Ballettdirektor. Los geht es am 16. Oktober mit „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“, einer tänzerischen Adaption nach dem gleichnamigen Schauspiel von Peter Handke. Am 5. Dezember folgt ein besonderes Projekt, das sich unter dem Titel „1827 – Eine Winterreise“ mit Franz Schuberts Liedzyklus beschäftigt. Die Choreografie orientiert sich an der zeitgenössischen Orchester-Fassung von Hans Zender. Die dritte Choreografie, die Ballettchef Paar am 3. April 2027 vorstellt, holt ein früheres Werk nach Coburg. „Der kleine Prinz“, zu Musik von Erik Satie, sei ein Thema, das Kinder wie Erwachsene ansprechen kann. Für die Coburger Gegebenheiten müsse er sein bisheriges Konzept eben neu einrichten. Bei der letzten Produktion der Spielzeit können sich die Mitglieder des Ballettensembles selbst mit eigenen kleinen Choreografie-Miniaturen vorstellen. Einmal pro Spielzeit besteht diese Möglichkeit unter dem Titel „Dancelab“ (28. Mai 2027).
„Tanz ist eine universelle Sprache“, sagt Ballettdirektor und Chefchoreograf Jorge Pérez Martínez, „ohne Grenzen und dazu fähig, uns im Moment der Aufführung miteinander zu verbinden.“ Mit drei größeren Produktionen geht das Landestheater Eisenach an den Start. Die erste Produktion ist „Don Quixote“ (24. Oktober), ein Ballett in vier Akten und acht Bildern, das bereits 1869 uraufgeführt wurde. Die Choreografie dazu entwickelte der Eisenacher Ballettchef. Am zweiten Ballettabend sind drei Choreografien unterschiedlicher Künstler:innen geplant. „Beyond Ballet“ ist der Abend überschrieben, der am 20. März 2027 Premiere feiert. Junge Tänzer:innen des hauseigenen Ensembles bekommen beim dritten Abend unter dem Titel „Junge Choreografen IX“ die Chance, eigene Tanzfolgen vorzustellen. (Uraufführung, 29. Mai 2027).
Tanz spielt am Theater Erfurt eine große Rolle. Die Tanzsparte startet am 19. September mit einer Produktion des Theaters Altenburg Gera. „Romeo und Julia“, mit einer ganz neu entworfenen Choreografie des erst 23-jährigen Tänzers Emanuele Babici, steht auf dem Plan. Im Rahmen des Internationalen Ballett-Festivals Gera 26 wurde es erst im Mai dieses Jahres uraufgeführt. Vom 4. bis 14. November lädt das Theater zum 10. Internationalen Tanztheater-Festival 2026 ein. Zu erleben ist die Vielfalt des Tanzes, damit verbunden ganz unterschiedliche Handschriften. Unter dem Motto „Zwei Bühnen - Ein Weg“ kann die Besucherschaft einen inszenierten Spielstätten-Wechsel erleben (10. Juni 2027). Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Tanztheater Erfurt, das Ester Ambrosino 2007 gegründet hatte und heute als künstlerische Leiterin prägt. Tanz, Musik und performative Elemente greifen ineinander und schaffen ein gemeinsames Erlebnis.
„Eat My Fear“ heißt das Tanztheaterstück, zu dem das schauspiel erlangen am 10. Oktober im Markgrafentheater einlädt. Choreografie, Regie und Kostüme stammen von Caroline Finn. Inspiriert von der faszinierenden Bilderwelt David Lynchs, Filmregisseur, Produzent, Künstler und Fotograf, ist die Tanzproduktion eine Hommage an alles, was Lynch ausmacht.
Das Stadttheater Fürth holt für sein Tanzprogramm sehr vielfältige Produktionen und Kompanien ans Haus. Darunter sind Programme wie „Masters of Choreography, Australien: Beats on Pointe“ (15. + 16. Dezember), eine elektrisierende Fusion aus Spitzentanz und Streetdance, „Moonwalk“, ein Michael Jackson Ballett (30. + 31. Dezember) sowie auch eine Tanzperformance von Patricia Carolin Mai unter dem Motto „Hamonim – Was die Masse bewegt“ (16. + 17. Juli 2027). Eine besondere Aufführung lässt auch die Compagnie Marie Chouinard aus Kanada erwarten. Ihr Programm ist mit „Magnificat/BodyremixRemix“ überschrieben und folgt der Musik von Johann Sebastian Bach (23. bis 27. Juni 2027). Insgesamt stehen 12 verschiedene Tanzproduktionen auf dem Fürther Programm.
Auch das Theater Hof präsentiert zwei Uraufführungen mit seiner Ballettsparte. Am 24. Oktober hat die Produktion „Jahreszeiten“, ein zweiteiliger Ballettabend mit Musik von Max Richter, unter anderem nach Antonio Vivaldi, im Großen Haus Premiere. Untertitel: „Four Seasons Recomposed by Max Richter“ & „Persephone zwischen Schatten und Licht“. Christina Comtesse hat die Choreografie entwickelt. Es tanzen die Tänzerinnen und Tänzer des Ballettensembles. Den zweiten Tanzabend gestalten Tänzer:innen der Hofer Ballett-Compagnie, die dann in die Rolle der Choreograf:innen schlüpfen. Der Kammertanzabend unter dem Titel „Ballet Noir“ hat am 12. März im Studio Premiere. Kurze, individuelle Stücke entfalten, so heißt es im Spielzeitheft, ihre ganz persönliche Handschrift. Sie widmen sich der Farbe Schwarz – jener geheimnisvollen Farbe, die für Eleganz, Tiefe und Emotion steht. Beide Abende werden mehrfach wiederholt.
Für Ballettdirektor Richard Siegal startet, nach einem erfolgreichen ersten Jahr, im Herbst seine zweite Spielzeit am Staatstheater Nürnberg. Das von ihm zusammengestellte „Staatstheater Nürnberg Ballet of Difference“ lässt auch weiterhin auf interessante und hochkarätige Projekte hoffen. Am 12. Dezember hat „More New Ballets Russes“ Premiere. Der Abend führt eine Idee aus der letzten Spielzeit weiter. Der Abend zeigt drei Choreografien, eine von Siegal selbst, zwei weitere von den Gästen Rachelle Scott und Mthuthuzeli November. Spannend dürfte die Uraufführung von „QuodliBallet“ am 24. April 2027 werden. Technische Brillanz trifft auf die bemerkenswerte Athletik des Ensembles, aber auch auf die Stärke der harmonischen Gemeinschaft. Der Gedanke dahinter ist, zu zeigen, wie komplexe Systeme verstanden werden können. „Made Two/All Walking“ beschließt die Spielzeit. Premiere ist am 3. Juli 2027. Rhythmus kann als verbindende Kraft wirken. Was aber passiert, wenn wir in unserem eigenen Rhythmus tanzen? Daraus können interessante tänzerische Impulse hervorgehen. Afrikanische Polyrhythmen und damit einen interkulturellen Dialog bringt der Musiker Njami Sitson mit dazu.
Jens Neundorff von Enzberg übernahm mit Beginn der Spielzeit 2021/22 neben seiner Intendanz am Staatstheater Meiningen auch die des Landestheaters Eisenach. Die Eisenacher Ballett-Kompanie tritt regelmäßig in Meiningen auf. In der kommenden Spielzeit etwa mit der Uraufführung von „Buena Vista Dancing Club“ (27. September), einem Ballett von Ballettchef Jore Pérez Martínez. Tänzerisch geht es auf die Reise in die Welt der Leidenschaft, Emotionen sowie des Geschichtenerzählens. Mit „Don Quijote“, einem Ballett nach Miguel de Cervantes Saavedra, mit der Musik von Léon Minkus, kommen die Eisenacher am 30. Oktober erneut nach Meiningen. Es spielt die Meininger Hofkapelle. Den Abend „Junge Choreografen IX“, der am Stammhaus der Kompanie bereits kurz zuvor in Eisenach uraufgeführt wurde, zeigen die jungen Choreografinnen und Choreografen auch in Meiningen (25. Juni 2027).
Drei Tanz-Uraufführungen hat das Staatstheater Regensburg in seinem Programm. Am 13. November hat „Romeo, Julia &“, ein Tanzabend von Dan Pelleg und Marko E. Weigert, Premiere. Es folgt der Vorlage von William Shakespeare, denkt aber darüber hinaus und begreift Liebe als universelles Menschenrecht, über alle Grenzen hinweg. Die zweite Produktion mit dem Titel „Dark“ (12. März 2027) versteht sich als poetisches Tanztheater über Wahrnehmung, Freiheit und die Kraft der Vorstellung. Der italienische Choreograf Brian Scalini kommt als Gast nach Regensburg. Der dritte Abend gehört jungen Choreograf:innen, die unter dem Motto „Dance Lab 5.0“ (2. Mai 2027) eigene Ideen erproben und weiterentwickeln und eine eigene Handschrift finden können. Das Spielzeitmotto „Freiheiten“ des Staatstheaters liefert dazu zahlreiche Impulse.
Dominique Dumais, die seit der Spielzeit 2018/19 am Mainfranken Theater Würzburg als Ballettdirektorin tätig ist, hat auch in der kommenden Spielzeit wieder zwei Choreografien geplant. Die erste, unter dem Motto „Résonances Chopin“, widmet sich dem intimen Charakter von Chopins Klavierkompositionen, deren Poesie für Tanzschaffende immer als ein Quell zur Inspiration gelten wird. Die Choreografie, so heißt es in der Beschreibung, spiele mit den Resonanzen, die sich zwischen der Musik und der Körperlichkeit des Tanzes entwickeln. Am 7. November ist Premiere in der Theaterfabrik Blaue Halle. Für den zweiten Abend am 20. März 2027 holt Dumais Gastchoreograf:innen dazu. Unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Zeit werden unter dem Titel „It’s About Time“ zu sehen sein. Die Wahrnehmung von Zeit ist sehr subjektiv und zeigt sich in vielen Facetten. Auch Choreografie orientiert sich als Bewegung in Zeit und Raum. Das „TanzXperiment – Expedition NO. 9 & 10“ bietet im Rahmen der Probebühne des Neubaus einen intimen Rahmen für die Erkundungen der Tanzcompagnie des Mainfranken Theaters. Bei den choreografischen Workshops zeigen die Tänzer:innen eigene choreografische Arbeiten und damit ihre individuellen künstlerischen Visionen.