Monströs!
Das re:festival für Tanz und Performance im Künstlerhaus Nürnberg lockt seine Besucher:innen auf die dunkle Seite
veröffentlicht am 27.09.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min.
Was ist ein Monster? Das Fremde, das Unbekannte, das Unkontrollierbare? Oder doch das Menschengemachte? Und wer entscheidet eigentlich darüber, was als monströs gilt? Vier Tage lang, vom 1. bis 4. Oktober, widmen sich Künstler:innen aus Tanz und Performance den vielfältigen Facetten des Monströsen – zwischen gesellschaftlicher Norm, persönlicher Grenzerfahrung, Vergangenheitsbewältigung und lustvoller Überschreitung. Zu sehen sind fünf Vintage-Produktionen aus Nürnberg und ganz Deutschland.
Wie jedes Jahr ist das re:festival eine Plattform für Wiederaufnahmen älterer Produktionen. Mit diesem deutschlandweit einzigartigen Schwerpunkt solle, laut der Veranstalterinnen, ein Zeichen gegen künstlerische Ressourcenverschwendung gesetzt werden. 2026 findet das sonst in der Tafelhalle ansässige Festival aufgrund einer Dachsanierung im Künstlerhaus Nürnberg statt – einem Ort mit großer soziokultureller und demokratischer Tradition.
Laura Stokes, selbst Tänzerin und Performerin u.a. bei Florentina Holzinger, eröffnet das Festival mit ihrem Solo „Call me a Pussy“ (Regie: Meret Becker & Kevin Kent). In dieser sinnlich virtuosen One-Woman-Varieté-Show geht es um die Lust der Selbstobjektivierung. Acht weibliche Stereotype, die für Sexismus, Nationalismus und Rassismus stehen, gehen ins Rennen und nehmen inszenierte Weiblichkeit aufs Korn, ohne sie dabei lächerlich zu machen.
Das Brachland-Ensemble, das seit einigen Jahren politische Bildung und darstellende Kunst erfolgreich verbindet, zeigt mit „Ready for Boarding“ ein Livehörspiel aus dem Jahr 2016. Im Zentrum dieser eindringlichen Produktion stehen die CIA-Folterreporte aus dem Internierungslager Guantanamo, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die heute vielerorts nach wie vor gängige Praxis sind.
Einen vor dem Hintergrund des widererstarkenden Rechtsextremismus unerlässlichen Blick in die Vergangenheit wirft Josefine Patzelts Tanztheaterproduktion „Letters to a Grandfather“. Das Solo setzt sich mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs auseinander, die bis heute familiäre Beziehungen prägen und intergenerationale Traumata verursachen.
Aber wie kommt es zu monströsem Handeln? Das Festival lädt zum Selbstversuch. Im experimentellen und partizipativen Gesellschaftsspiel „Spank for Spa“ konfrontiert das Nürnberger Kollektiv Megaplot die Besucher:innen mit existenziellen Fragen zum individuellen Handeln innerhalb einer Gemeinschaft.
Neben all der realen Monstrosität lockt das Programm auch mit echt fantastischen Monstern. Am 3. Oktober sorgt eine Zombie-Nacht für blutiges Vergnügen. Mit einer Performance von Julieta Figueroa/Margherita Vestri unter dem Titel „Solo Terror“ und dem im Anschluss gezeigten Filmklassiker „The Night of the Living Dead“ von George A. Romero werden die Untoten zum Leben erweckt.
Tickets und weitere Informationen findet man unter refestival.nuernberg.de.