Vorhang auf!

365 Tage Theater

Barbara Baumann über die Herausforderungen einer Theaterleitung und die Zukunft des Rosenthal-Theaters Selb

veröffentlicht am 31.10.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Elke Walter

Barbara Baumann, Leiterin des Rosenthal-Theaters

Barbara Baumann, Leiterin des Rosenthal-Theaters, Foto © Stadt Selb

„Kultur hat keine Ferien“, sagt Barbara Baumann, die seit Anfang 2026 die Geschicke des Rosenthal-Theaters der Stadt Selb künstlerisch gestaltet, „man muss da immer präsent sein.“ Das Theater kennt die neue Leiterin, die zuvor bereits im Rathaus tätig war, gut. Zunächst wechselte sie 2021 ins Theaterbüro und übernahm dann ab Juni 2024 das Rosenthal-Theater als kommissarische Leiterin. Sie sei, erzählt sie rückblickend, in dieser Zeit bereits maßgeblich an der Planung und Organisation des Spielbetriebs, aber auch den allgemeinen Abläufen im Büro beteiligt gewesen. Gemeinsam mit ihrem Team trägt die 41-Jährige nun die Verantwortung für die Organisation des Spielbetriebs, die Programmplanung sowie einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen. Für die große Unterstützung von Seiten ihrer Kollegschaft sei sie sehr dankbar.

Eine leitende Funktion im Theater zu übernehmen, habe sie erst gar nicht im Blick gehabt, sei aber jetzt recht glücklich darüber. Die Stadt Selb hat bei der Übernahme der Leitung großen Wert auf die Kontinuität der künstlerischen Arbeit sowie auf eine enge Verbindung mit dem Haus und dem Publikum gelegt. „Die Leitung“, sagt sie, „ist mit viel Verantwortung verbunden. Das ist was ganz anderes, als dies nur vertretungsweise zu tun.“ Es sei ein „365-Tage, 24/7-Job“, so Baumann. Kein Selbstläufer. Ein wenig verrückt, sagt sie lachend, müsse man da schon sein, vor allem aber auch kreativ, flexibel und spontan. Wenn die Theaterleiterin von ihrer Kulturarbeit erzählt, spürt man ihre Leidenschaft und Begeisterung für das, was sie da macht.

Kulturangebot als Ort der Begegnung

Das Programm möchte sie vielfältig und abwechslungsreich gestalten. „Es soll“, betont sie, „für alle etwas dabei sein, das ist mir sehr wichtig.“ Im Übrigen buche sie immer wieder auch Veranstaltungen, die ihr selbst gefallen. Um nah am Publikum zu bleiben, schätzt Baumann auch den direkten Kontakt zu den Menschen in der Stadt sowie dem Stammpublikum, um da Wünsche aufnehmen zu können. In Abstimmung mit ihrem Team und auch dem Kulturausschuss der Stadt entsteht dann auch das Spielzeitprogramm. Wichtig ist Barbara Baumann die Transparenz gegenüber den Menschen. „Die Leute sollen nachvollziehen können, was wir hier tun“, sagt sie.

Das Theater habe ein großes Potenzial und auch das Interesse der Besucherinnen und Besucher sei erfreulich gut. Ein eigenes Ensemble hat das Selber Theater nicht, holt aber regelmäßig Produktionen, etwa des Theaters Hof oder auch renommierter Tourneetheater, nach Selb. Bereits seit Mitte der 1950er-Jahre hatte sich die Rosenthal AG für Kunst und Kultur engagiert und die sogenannten „Rosenthal-Feierabende“ organisiert. Daraus hat sich das Theater, seit 1966 im Besitz der Stadt, dann allmählich entwickelt. Nach verschiedenen Umbauphasen wurde das heutige Gebäude 1982 eröffnet, als Rosenthal-Theater Selb geführt. Auch hier hatte sich das lokal ansässige Porzellan-Unternehmen engagiert.

„Wir haben“, betont die Theaterleiterin, „eine gute Auswahl an unterschiedlichen Räumen, die wir je nach Veranstaltung nutzen können. Das reicht etwa vom Großen Saal mit rund 600 Plätzen über das Parkett mit etwa 370 Plätzen bis hin zu einem Studio auf der Hinterbühne mit 99 Plätzen.“ Das Studio ermögliche Veranstaltungen im kleinen Rahmen, mit dem Charme einer Wohnzimmer-Atmosphäre.

Ausblick auf die kommende Spielzeit

Besonders freut sich Baumann über die gute und professionelle Zusammenarbeit mit den Hofer Symphonikern sowie dem Theater Hof, die das Programm mit Konzerten und Gastspielen bereichern. So etwa, unter anderem am 26. November, an dem das Hofer Orchester unter der Leitung von Peter Kattermann, Musikdirektor am Theater Hof, sein 1. Sinfoniekonzert präsentiert. Dirigent Enrico Delamboye, langjähriger Gastdirigent der Hofer, serviert am 7. Januar 2027 das Neujahrskonzert unter dem Motto „Die Goldenen Zwanziger“. Weitere Konzerte folgen im neuen Jahr.

Auch das Theater Hof kommt mit einigen seiner Produktionen nach Selb, in der Weihnachtszeit etwa mit dem Familienstück „Frau Holle“. Als weitere Gastspiele stehen 2026 unter anderem Anton Tschechows „Die Möwe“ (8. Oktober) oder auch Gaetano Donizettis komische Oper „Evviva Mamma! – Sitten und Unsitten am Theater“ auf dem Programm.

„Das Programm soll einerseits unterhalten“, sagt sie, „soll aber durchaus auch ernstere Themen zur Sprache bringen.“ Das Theater sei ein guter Ort, diese miteinander zu erörtern. Wichtig sei ihr auch, das Theater als Ort der Begegnung zu etablieren, als einen Ort des direkten Austausches zwischen „echten“ Menschen, fernab digitaler Angebote, aber auch des gemeinsamen Erlebens von live gespielten Vorstellungen.

Bekannte Künstler, wie etwa Harald Schmidt und Volker Heißmann, begleitet vom Thilo Wolff Quartett (20. November), gehören zu den Gästen, genauso wie Django Asül, der am 23. Januar mit seinem „Rückspiegel 2026“ in Selb auftritt. Neben solchen großen Events findet es Baumann auch wichtig, immer wieder kleinere Veranstaltungen mit ins Programm aufzunehmen, um auch dadurch die Programmvielfalt auszuweiten und gleichzeitig lokalem Engagement ein Podium zu geben.

Das gesamte Programm sowie Einzelheiten zu den Terminen gibt es unter www.theater-selb.de.

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