Der Festivalsommer geht weiter
Seebühne, Jazzreihe und Stars von morgen: Die Region feiert
veröffentlicht am 02.08.2026 | Lesezeit: ca. 12 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Der Festivalsommer 2026 zeigt sich so vielfältig wie selten zuvor. Zwischen großen Open-Air-Konzerten, intimen Jazzreihen, Straßenkunst und internationalen Gitarrenklängen laden Veranstaltungen in Franken und darüber hinaus dazu ein, Musik und Kultur an außergewöhnlichen Orten zu erleben. Ob traditionsreiche Jubiläen, innovative Konzertformate oder lebendige Stadtfeste – diese Auswahl versammelt einige der spannendsten Festivals des Sommers und macht Lust darauf, Kultur unter freiem Himmel neu zu entdecken.
Taubertal-Festival
Rothenburg ob der Tauber, 6. bis 9. August 2026
Dreißig Jahre, unzählige Konzerte und Generationen von Festivalbesuchern: Das Taubertal-Festival in Rothenburg ob der Tauber feiert 2026 sein rundes Jubiläum und bleibt dabei, was es seit jeher auszeichnet – ein Ausnahmeort zwischen Natur, Musik und Gemeinschaft. Eingebettet in die geschützte Landschaft des Taubertals und mit dem Panorama der Altstadt im Rücken verbindet das Festival seit 1996 große Namen mit einer fast familiären Atmosphäre.
Zur Jubiläumsausgabe stehen vom 6. bis zum 9. August mehr als 40 Bands auf mehreren Bühnen. Mit SIDO, Biffy Clyro, SDP, Dropkick Murphys, Sportfreunde Stiller, Feine Sahne Fischfilet, Giant Rooks, Donots, Zartmann und Kaffkiez vereint das Line-up etablierte Größen mit aktuellen Publikumslieblingen und schlägt damit den Bogen zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Rock, Hip-Hop, Punk und Indie. Das abwechslungsreiche Programm richtet sich gleichermaßen an langjährige Festivalfans wie an eine neue Generation von Besucherinnen und Besuchern.
Neben der Musik prägen die besondere Lage, kurze Wege und das gemeinschaftliche Miteinander den Charakter des Festivals. Gleichzeitig setzt das Taubertal-Festival seit Jahren konsequent auf Nachhaltigkeit. Von einer umweltfreundlichen Ökostromversorgung über ein engagiertes Umweltteam bis hin zum verantwortungsvollen Umgang mit der sensiblen Naturkulisse zeigt das Festival, wie sich Großveranstaltungen und Naturschutz erfolgreich verbinden lassen.
Mehr Informationen gibt es unter www.taubertal-festival.de.
Stars im Luitpoldhain
Nürnberg, 9. August 2026
Wenn sich am 9. August 2026 der Nürnberger Luitpoldhain wieder in einen großen Konzertsaal unter freiem Himmel verwandelt, kehrt eines der renommiertesten Open-Air-Jazzformate Deutschlands zurück. Stars im Luitpoldhain bringt auch in diesem Sommer internationale Größen der Szene zusammen und verbindet musikalische Exzellenz mit der besonderen Atmosphäre eines Sommerabends. Im Zentrum steht Wolfgang Haffner, der nicht nur als musikalischer Leiter den Takt vorgibt, sondern zugleich sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Gemeinsam mit der German All Star Bigband unter Leitung von Jörg Achim Keller entsteht ein Abend zwischen Swing, Groove und orchestraler Klangfülle. Mit Victoria Tolstoy, Torsten Goods und der isländischen Kultband Mezzoforte versammelt das Festival Stimmen und Klangfarben, die den Jazz in seiner ganzen stilistischen Offenheit zeigen.
Mehr Informationen gibt es unter www.stars-im-luitpoldhain.nuernberg.de.
Zikaden 2026
Nürnberg, 3. bis 16. August 2026
Manche Konzertreihen leben von der Wiederholung des Bewährten, andere von der Lust am Risiko. Die ZIKADEN 2026 gehören entschieden zur zweiten Kategorie. Vom 3. bis 16. August lädt der Verein Metropolmusik an 14 Sommerabenden in die Galerie des Kunstvereins Kohlenhof am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ein und präsentiert vier neue Ensembleprojekte zwischen zeitgenössischem Jazz und kreativer Improvisation.
In der ersten Festivalwoche treffen das Duo re:cord mit seiner außergewöhnlichen Verbindung von Violine und Blockflöte sowie Einflüssen aus Mittelalter, Barock und Gegenwart auf das atmosphärisch dichte Peter Fulda Trio, das mit neuen Kompositionen die Grenzen zwischen Komplexität und klanglicher Zugänglichkeit auslotet. Die zweite Woche gehört dem jungen Louis Protzer Trio, das zu den spannendsten Nachwuchsformationen der deutschen Jazzszene zählt und Modern Jazz mit klassischen Einflüssen verbindet, sowie dem neu formierten Duo Anton Mangold & Johannes Billich. Mit Harfe und Klavier wagen die beiden Virtuosen eine ungewöhnliche Instrumentenkombination, die zeitgenössischen Jazz mit erzählerischer Tiefe und feinem Groove verbindet.
Gespielt werden ausschließlich Originalkompositionen der beteiligten Musikerinnen und Musiker. Gerade diese Konzentration auf neue Musik macht die ZIKADEN zu einem wichtigen Forum für kreative Entwicklungen jenseits des Mainstreams. Ebenso prägend ist die besondere Atmosphäre: Musikschaffende und das Publikum begegnen sich auf Augenhöhe, kommen ins Gespräch und begleiten die Entstehung neuer Programme oft über mehrere Konzertabende hinweg. So hat sich die Reihe längst als fester Treffpunkt der fränkischen Jazzszene etabliert und zieht zugleich Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland nach Nürnberg.
Mehr Informationen gibt es unter www.metropolmusik.de.
Friedenstein Open Air
Gotha, 14. bis 29. August
Wenn sich im August der Schlosshof von Friedenstein wieder in eine große Freiluftbühne verwandelt, wird Gotha erneut zum Klangraum zwischen Pop, Klassik und Filmmusik. Das Friedenstein Open Air 2026 spannt vom 14. bis 29. August einen weiten musikalischen Bogen: Den Auftakt setzen am 14. August Die Prinzen, die gemeinsam mit der Thüringen Philharmonie ihre größten Hits im symphonischen Gewand neu entfalten. Bereits einen Tag später, am 15. August, folgt Johannes Oerding mit seiner unverwechselbaren Mischung aus Intimität und Pop-Eleganz. Am 22. August bringt Giovanni Zarrella italienische Sommermelancholie nach Gotha, bevor am 23. August mit „Sounds of Hollywood“ große Filmmusik und Leinwandzauber aufeinandertreffen. Die Udo-Jürgens-Gala am 28. August erinnert an einen Jahrhundert-Entertainer, ehe am 29. August die Last Night of the Philharmonic Proms mit Nils Wanderer, Northern Lite und Gästen das Festival in einer rauschhaften Verbindung aus Klassik, Pop und Electro beschließt. Schloss Friedenstein wird so erneut zum Resonanzraum einer außergewöhnlichen musikalischen Sommerreise.
Mehr Informationen gibt es unter www.friedenstein-openair.de.
Bayreuther Seebühnenfestival
Bayreuth, 8. bis 14. August 2026
Wenn sich im August die Bayreuther Seebühne wieder in einen sommerlichen Konzertort verwandelt, zeigt sich einmal mehr, wie weit kulturelle Spannbreite heute reichen kann. Das Bayreuther Seebühnenfestival 2026 setzt auf musikalische Vielfalt und populäre Namen – zwischen Soul, Austropop, Kabarett und elektronischer Clubkultur.
Den Auftakt im hier vorgestellten Programm machen am 8. August Max Herre & Joy Denalane, zwei Künstler, die seit einem Vierteljahrhundert zu den prägenden Stimmen deutscher Pop- und Hip-Hop-Kultur zählen. Mit ihrem gemeinsamen Projekt „Alles Liebe“ bringen sie persönliche Geschichten, Soul und poetischen Rap in einer ebenso intimen wie kraftvollen Open-Air-Produktion auf die Bühne. Nur einen Tag später, am 9. August, folgt mit Melissa Naschenweng pure alpine Pop-Energie. Die österreichische Erfolgsinterpretin verbindet Volksmusik, Rock und Schlager zu einem eigenwilligen Sound zwischen Tradition und Gegenwart.
Am 11. August übernehmen Heißmann & Rassau die Seebühne mit ihrem Programm „Lustbarkeiten“. Seit Jahrzehnten gehören sie zu den festen Größen des fränkischen Kabaretts und stehen für präzise Pointen, Tempo und jene besondere Form regionaler Komik, die weit über Bayern hinaus funktioniert.
Ein stilistischer Bruch folgt am 14. August: Mit Seelectric 2026 wird die Seebühne erstmals zum Open-Air-Raum für elektronische Musik. Von Westbam über Anna Reusch bis Markus Kavka reicht das Line-up eines Festivals, das Techno und Rave-Kultur erstmals in dieses Format integriert.
Bemerkenswert ist dabei auch die Resonanz des Publikums: Die Konzerte von Gert Steinbäcker & Band sowie Sportfreunde Stiller sind bereits ausverkauft – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich das Seebühnenfestival längst als feste Größe im sommerlichen Kulturkalender etabliert hat.
Mehr Informationen gibt es unter www.seebuehne-bayreuth.de
26. Internationales Gitarrenfestival Hersbruck
Hersbruck, 8. bis 14. August
Seit einem Vierteljahrhundert beweist Hersbruck, dass musikalische Weltläufigkeit keine Frage der Metropole ist. Vom 8. bis 14. August 2026 wird die mittelfränkische Stadt erneut zum Zentrum einer Kunstform, die wie kaum ein anderes Instrument zwischen Kulturen, Epochen und Genres vermittelt: der Gitarre.
Das 26. Internationale Gitarrenfestival Hersbruck, künstlerisch geleitet von Johannes Tonio Kreusch, präsentiert auch in diesem Jahr ein Programm, das weniger auf stilistische Reinheit als auf klangliche Offenheit setzt. Den Auftakt bildet am 8. August die Blues-Night mit der Al Jones Blues Band und der britischen Singer-Songwriterin Hollie Rogers – ein bewusst gesetztes Signal für die stilistische Weite des Festivals. Am folgenden Vormittag öffnet die Matinee der Stipendiaten den Blick auf den musikalischen Nachwuchs, bevor am Abend mit Marcin Dylla, Pavel Steidl und Philippe Villa bei der Classical Guitar Gala drei prägende Stimmen der internationalen Gitarrenszene aufeinandertreffen.
Mit „Noche Flamenco“ am 10. August bringt das Festival die eruptive Energie des spanischen Südens nach Hersbruck: Karen Lugo und das Chicuelo Trio verbinden Tanz und Musik zu einer Kunstform existenzieller Ausdruckskraft. Die Fingerstyle-Night mit Yuliya Lonskaya, Alexandr Misko und Petteri Sariola lotet am 11. August die modernen Möglichkeiten des Instruments aus, während Louise Jallu mit „Tango Nuevo“ die poetische Melancholie Piazzollas in die Gegenwart überführt.
Besonders programmatisch erscheint „Art of the Duo“: ein Abend zwischen Bach und brasilianischer Klangwelt. Das Finale „Guitars Unlimited“ führt schließlich Festival Strings, Drum’n’ Koto und Jazzgitarrist Nguyên Lê zu einem musikalischen Grenzexperiment zusammen. Doch Hersbruck ist mehr als Konzertort. Workshops, Masterclasses, Seminare und Vorträge machen das Festival zugleich zu einer lebendigen Musikakademie – einem Ort, an dem Kunst nicht nur aufgeführt, sondern weitergegeben wird.
Mehr Informationen gibt es unter www.gitarre-hersbruck.de.
StraMu Würzburg
Würzburg, 11. bis 13. September
Für drei Tage verliert Würzburg im besten Sinne seine Ordnung – und gewinnt dafür Klang, Bewegung und jene eigentümliche Magie des Zufalls. Vom 11. bis 13. September 2026 wird die Innenstadt beim 23. StraMu – Festival für Straßenkunst wieder zu einem offenen Theaterraum unter freiem Himmel. Über 70 Künstler und Gruppen aus aller Welt bespielen mehr als 20 Orte zwischen Oberem und Unterem Markt, Rathaushof, Domplatz und versteckten Innenhöfen. Musik, Artistik, Jonglage, Tanz und Clownerie begegnen dem Publikum ohne Distanz, ohne feste Bühne, unmittelbar im Stadtraum.
Die Veranstalter versprechen ein Programm, das in seiner Vielfalt für alle Besucherinnen und Besucher etwas zu bieten hat: Wer es gern etwas zuhöriger mag, ist weiterhin in der Behr Halle oder den wunderschönen Innenhöfen der Erlöserschwestern richtig. Am Kiliansplatz treten zwei Artistengruppen auf und am unteren Markt (wie an einigen weiteren Plätzen) sorgen Künstler:innen für Tanzstimmung. Für Kinder sind meist die Artistikgruppen und Clowns ein besonderer Magnet. Der Rathaushof ist wieder einer der zentralen Spielorte. Auf leicht erhöhter Spielfläche für bessere Sicht treten hier vor allem Bands & Solo-Kunstschaffende auf und laden dazu ein, im Rathaushof Open-Air-Festival-Atmosphäre zu genießen. Zwischen „ruhig und intensiv“, „bekannt & gut“ und „Tanzen, Stimmung!“ finden alle, wonach ihnen gerade der Sinn steht.
Am Sonntagabend wird der „ZASTERKLANG-AWARD“ verliehen – in den Kategorien „Bester musikalischer Act“, „Bester nicht-musikalischer Act“ und „Bester neuer lokaler StraMu-Act“. Die drei nominierten Newcomer zeigen mit Kurzauftritten ihr Können – und dann bestimmt das Publikum den Sieger. Das Preisgeld von insgesamt 1.500,– € wird von der Sparda-Bank zur Verfügung gestellt.
Gerade diese Nähe macht den besonderen Reiz des StraMu aus: Man bleibt stehen, entdeckt, hört zu, geht weiter – und bleibt oft doch länger als geplant. Ergänzt wird das Festival durch das „Freiufer“, das spontanen Acts Raum gibt. Eintritt gibt es keinen, nur das alte Straßenkunstprinzip: Gefällt’s dir gut, wirf was in den Hut.
Mehr Informationen gibt es unter www.stramu-wuerzburg.de.