Wenn die Natur zur Gegenwelt wird
Ulrike Donié verwandelt das Kloster Wechterswinkel in einen Erfahrungsraum zwischen Evolution und Bedrohung
veröffentlicht am 07.08.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer
Die Umwelt war dem Menschen seit jeher Lebensraum, Gegner und Voraussetzung seiner Existenz. Heute ist sie zugleich zum Spiegel seines Handelns geworden. Mit der Ausstellung „Nach der Natur“ widmet sich Ulrike Donié vom 18. Juli bis 18. Oktober 2026 im Kloster Wechterswinkel diesem Spannungsverhältnis und entwickelt eine ebenso poetische wie beunruhigende Bildwelt.
Ausgangspunkt ist die Frage, wie eine Welt aussehen könnte, in der der Mensch die Natur nicht mehr nur formt, sondern ihre Grundlagen dauerhaft verändert. Technischer Fortschritt hat Gefahren gebannt und Lebensräume beherrschbarer gemacht. Doch aus dieser Macht erwächst Verantwortung: Natur muss nicht nur genutzt, sondern erhalten werden.
Donié übersetzt diesen Konflikt in Malerei, Objektkunst und raumgreifende Installationen. Riesige Urtiere aus Polyethylen besetzen die historischen Räume des ehemaligen Klosters und erscheinen zugleich in ihren Gemälden. Sie wirken wie Relikte einer versunkenen Epoche und wie Boten einer möglichen Zukunft. So entsteht eine Bildsprache zwischen Faszination und Bedrohung, Erinnerung und Vision. Gerade im Zusammenspiel mit der klösterlichen Architektur gewinnen die fremdartigen Wesen eine beinahe mythische Präsenz, die den vertrauten Raum in eine irritierende Gegenwelt verwandelt.
Die in Saarbrücken geborene Künstlerin arbeitet seit 1991 freischaffend und wurde mit ihren Raumkonzeptionen auch international bekannt. In Wechterswinkel verbindet sie Architektur, Skulptur und Malerei zu einer begehbaren Erzählung über Evolution, Veränderung und ökologische Verantwortung. Führungen, Workshops, Künstlergespräche und Konzerte ergänzen die Ausstellung und machen das Kloster bis in den Herbst hinein zu einem Ort des Nachdenkens über Kunst, Natur und die Folgen menschlichen Handelns.
Weitere Informationen findet man unter www.kloster-wechterswinkel-kultur.de.