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Er ist der berühmteste Verräter der christlich-abendländischen Kultur: Judas Ischariot, Jünger Jesu, der ihn für dreißig Silberlinge an seine Mörder verkauft haben soll. Soweit die Anklage. Doch was sagt die Verteidigung?
In Walter Jens’ „Verteidigungsrede des Judas Ischariot“ kommt der Angeklagte selbst zu Wort. Und die Beweislage ist plötzlich eine andere: Denn ohne Judas gäbe es den christlichen Märtyrer-Mythos nicht. Mit Leidenschaft und (theo-)logischer Gnadenlosigkeit verteidigt Judas seine Entscheidungen, zweifelt, hadert, prangert jahrtausendealten christlichen Antisemitismus an und fordert sein Publikum zum Denken auf. Schließlich muss er seine eigene Rolle im göttlichen Plan neu hinterfragen.
„Judas“ ist ein pointiertes Plädoyer gegen das Abstempeln von Menschen zu Sündenböcken. Regisseur Tim Adam und Schauspieler Marek Egert, die bereits mit „Die Welt im Rücken“ die Gewölbe-Bühne zum Beben brachten, erzählen die Geschichte des vermeintlichen Verräters mit großer Unmittelbarkeit. Bibellektüre auf Hochspannung!